Verkehrte Welt: FKK gegen Textil

Ein Beitrag von Anni Kloß, einer ehemaligen DDR-Bürgerin, die gerne unter Gleichgesinnten nackt badet.

Der Artikel der MZ klingt wie eine Geschichte aus der Murkelei von Hans Fallada. Leider ist sie das nicht.

Es ist mir neu, dass in den Bädern Deutschlands, die mit Badeanzügen oder Bikini Bekleideten, um Toleranz bei den Nackten bitten müssen. Das kenne ich nur umgekehrt. Das war auch zu DDR-Zeiten nicht anders.

FKK soll eine Art Staatskultur in der DDR gewesen sein? Auch das kenne ich anders. War FKK nicht eher eine Nische, die viele Menschen unterschiedlichster Art genutzt haben, um sich zu erholen, zu entspannen, fern dogmatischen Denkens und Handelns? Diese Nische wird nun im Halle/Saale der Bundesrepublik, tot geredet und geschrieben.

Initiator dieser verkehrten Welt ist ausgerechnet der Pächter des Bades, der mit der Parole: ‚Hauptsache Halle in Bewegung‘, auch noch in den Stadtrat einziehen will. – Passt perfekt zum Straßenbau in Halle!

Wir haben zu so einer Geschichte früher, also zu DDR-Zeiten, gesagt: ‚Verscheißern können wir uns alleine.‘

In den westlichen Demokratien gibt es natürlich Vereine unterschiedlicher Art, die der Nacktheit frönen, aber sie sind nicht vergleichbar mit einen ganz normalen FKK-Badestrand, ganz ohne Verein und auch ohne Vorschriften. Nackte, und ich glaube nicht nur die, sind naturgemäß gegen Gaffer. Niemand zwingt Kinder sich auszuziehen. Das würden schon wir Nackten selbst verhindern. Nackt zu sein kann und wird nicht erzwungen. Deshalb sollte es ja gekennzeichnete Bereich geben, damit jeder weiß woran er ist.

Ist das etwa etwas Neues?

Wenn der Stadtrat, er hat die Macht dazu, kein FKK in Halle will, dann soll er das verbieten, statt Kanuvereine und Kinderkrippen zur Vertreibung der Nackten einzuspannen.

FFK-Heidesee-2019

Rezensionen von Anni Kloß zu Büchern von Max Balladu.

Als enge Freundin des Autors, habe ich es bisher vermieden meine Rezensionen zu seinen Büchern, auf dieser Webseite zu veröffentlichen. Ich habe mir zwar Mühe gegeben, nüchtern und sachlich zu urteilen, aber meine Sympathie für den Autor und dessen Bücher, konnte ich natürlich nicht so einfach abstellen.

Nachdem wir uns nochmals beraten haben, kamen wir zu dem Schluss, dass es dennoch richtig ist, diese Rezensionen hier, auf separaten Seiten, zu veröffentlichen.

Anni Kloß

Vorstellung der Autorin der Rezensionen und Gedichte

Anni Kloß

Mein Name ist Kloß, Anni Kloß.
Bin nur eins Zweiundsechzig groß.
Verzichte auf jede Schlankheitskur.
Das führte zu etwas fülliger Figur.annikloss
Doch für die Formen ist das günstig.
Sagen die Augen der Männer inbrünstig.
Etwas im Wege ist mir mein Temperament.
Unbedacht sprudeln Worte, die der andere nicht kennt.
Man riet mir aufs Reden ganz zu verzichten.
Na gut, dachte ich, fängst du eben an zu dichten.
Vor allem Verse sind’s die ich nun mache,
denn Reimen ist einfach und kommt schnell zur Sache.
Du stichst damit ins Wespennest bei den einen
Und bringst doch die anderen zum Lachen oder Weinen.
Fünf Männer gehören zu meinem Leben.
Von wegen es sollte nur einen geben.
Von der Sorte gab es sogar noch mehr.
Nur von den fünf geb ich keinen her.
Wellen rollen mit Getöse an den Strand.
Jahraus, jahrein bewegen sie den Sand.
Das Haar ist schon grau? – Grau.
Wie alt ist wohl die Frau?

Buchtipp 67: Thees Uhlmann, ‚Sophia, der Tod und ich‘

Rezension

zum 2015 erschienenen Roman von Thees Uhlmann, ‚Sophia, der Tod und ich‘

Inhalt:

Vor der Tür des Erzählers steht ein Mann, der ihm ähnlichsieht und behauptet, er sei der Tod und wolle ihn mitnehmen. Er habe noch ungefähr drei Minuten zu leben. Da dessen Exfreundin dazwischen kommt, beginnt ein spektakulärer Roadtrip. Gemeinsam mit seiner Exfreundin Sophia und dem Tod macht sich der Erzähler auf den Weg zu seiner Mutter und zu seinem sieben Jahre alten Sohn, den er seit Ewigkeiten nicht gesehen hat, dem er aber Tag für Tag eine Postkarte schreibt.

Autor:

Thees Uhlmann, geboren 1974 in Hemmoor bei Cuxhaven, ist Musiker und Autor. Mit seiner Band Tomte und als Solokünstler feiert er große Erfolge, sein neues Album erscheint im Januar 2018. ‚Sophia, der Tod und ich‘ ist sein erster Roman. Uhlmanns Debüt begeisterte Kritik und Publikum, wurde fürs Theater adaptiert, ins Niederländische und Französische übersetzt und wird demnächst fürs Kino verfilmt. Thees Uhlmann arbeitet an seinem zweiten Roman.

Kritik: Ein Gespräch mit dem Tod als humorvoll-nachdenkliche Anregung.

Ein Buch, das mich nach langer Zeit, wieder fesseln konnte.

Ich hätte gern noch weitergelesen, aber leider hat das Buch nur 318 Seiten. Klug vom Autor, nicht in Schwafelei zu verfallen.

Das Buch regte mich zu individuellen Gedanken an, nicht ohne Freude und Lust, sogar über den eigenen Tod nachzudenken.

Die Mehrzahl der handelnden Personen haben einen guten, menschlichen Charakter. Sogar der Tod ist sympathisch. Das finde ich auch richtig, denn er gehört eben zum Leben dazu, auch wenn er es beendet.

Wilhelm Busch sagt dazu: ‚Kein Leugnen hilft, kein Widerstreben, wir müssen sterben, weil wir leben.‘

Ich kann und will über die Story auch nicht lange lamentieren, es ist einfach ein gutes Buch, das man lesen und genießen sollte.

Bewertung:

  1. Inhalt, Story (Faktor 1): Der Tod begleitet ungewollt, sein Opfer durch dessen letzte Lebensstationen.

Bewertung: 4

  1. Der Sachverhalt (Faktor 1): Nur der Tod ist fiktiv, fast alles andere reale Handlung.

Bewertung: 4

  1. Der Stil (Faktor 1) unterscheidet sich nur unwesentlich von dem, anderer Romane, das Buch ist spannend und läßt sich gut lesen.

Bewertung: 4

  1. Recherchen (Faktor 0,5): sind nicht maßgebend, aber okay.

Bewertung: 3

  1. Die Handlungsorte (Faktor 0,5) sind ausreichend glaubhaft beschrieben.

Bewertung: 3

  1. Kritische Aspekte zur existierenden Realität, zur Politik, zum Leben der Menschen und Hinweise zum Bessermachen (Faktor 1): Regt Eltern zum Nachdenken über ihre Haltung zu Kindern an und den einzelnen Menschen dazu, über sein Leben und Sterben nachzudenken.

Bewertung: 4

Summe der Bewertung: 4

 

Buchtipp 64: Julie Zeh, ‚Unterleuten‘

Rezension zum 2017 erschienenen Roman von Juli Zeh, ‚Unterleuten‘

Inhalt:

Manchmal kann die Idylle auch die Hölle sein. Wie das Dorf ‚Unterleuten‘ irgendwo in Brandenburg. Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten, von den kleinen Häusern, die sich Stadtflüchtlinge aus Berlin gerne kaufen, um sich den Traum von einem unschuldigen und unverdorbenen Leben außerhalb der Hauptstadthektik zu erfüllen. Doch als eine Investmentfirma einen Windpark in unmittelbarer Nähe der Ortschaft errichten will, brechen Streitigkeiten wieder auf, die lange Zeit unterdrückt worden waren. Denn da ist nicht nur der Gegensatz zwischen den neu zugezogenen Berliner Aussteigern, die mit großstädtischer Selbstgerechtigkeit,  Arroganz und wenig Sensibilität für Reibungen sorgen, da ist auch der nach wie vor untergründig schwelende Konflikt zwischen Nutznießern und Verlierern nach der Wende. Kein Wunder, dass im Dorf schon bald die Hölle los ist …

 

Kritik: Der Marktwert des Menschen.

Die Charakterisierung der Menschtypen auf dem brandenburgischen Land ist Zeh gut gelungen.

Wenn ein Autor über den Osten Deutschlands schreibt, und die Handlung sowohl in Zeiten der DDR als der BRD stattfindet, dann merkt man schnell, ob der (die) Schreiber(in) aus dem Westen oder Osten kommt. Zeh ist eindeutig Wessi und sie kann den Menschen nach seinem Marktwert einsortieren: z. B. Seite 37: Die 16-jährige Linda denkt von ihrem, 2 Klassen über ihr liegenden Schulkameraden: „…, obwohl sein Marktwert erheblich unter ihren lag…“ (S. 214 „Wenn man zum Beispiel herausfinden wollte welchen Marktwert man in einem Öko-Haushalt besaß.“).

Nachträglich begreife ich, dass uns, also die DDR-Menschen, die Wessis damals genau so gesehen haben: Menschen unter dem Marktwert jedes Bundesbürgers. Ossis konnten also allein durch das Abhauen in den Westen ihren Marktwert erheblich steigern?

Außerdem ist aus meiner Sicht typisch für Wessis: Sie sind überzeugt davon, dass, wenn überhaupt, nur die Familien zusammenhalten.  Dass Freunde besser als Familie sein könnten, wird nicht einmal im Ansatz erwähnt. Und doch ist es so, sagen mir meine Erfahrungen.

Seite 296 sagt der Wessimann Fließ: ‚Schatz, geh in den Keller und hol mir die Taschenlampe.‘ Die Gleichberechtigung der Frau in der DDR war der im Westen weit voraus, sicherlich auch auf dem Dorf im Brandenburgischen.

Resümierend muss ich konstatieren, dass bei mir der Eindruck entstanden ist, dass Zeh  was gegen Männer hat!? Der promovierte Mann Fließ liebt (vergöttert?) seine 20 Jahre jüngerer Frau, während sie das Verhältnis sehr sachlich sieht, weil sie nur mit schwacher Liebe in die Ehe gegangen ist. Die Pferdefrau (Linda), auch eine Zugezogene, wird von ihrem fast gleichaltrigen Manne bedingungslos geliebt, aber sie selbst ist nur die engagierte, nüchterne, zwar Sex genießende, aber sonst fast gefühllose Macherin? – Wolfi (schon der Name sagt viel) ist sowohl als Dichter als auch Mann nur eine Pfeife, ein Versager. Die im Gegensatz dazu aktiven, handelnden, starken, also tonangebenden, einheimischen Männer sind fett, brutal oder beides und brüllen gern. Trotzdem passt einer der fetten durch eine 80 cm große Öffnung?

Scheinbar liebt Zeh starke Frauen. Haben die Menschen im Roman deshalb so wenig Sex in ihrem Leben? Oder hat auch die Autorin nicht viel Sinn für Sex? (Meine Erfahrung sagt: Viele Menschen, im Alter zwischen 16 und 70, haben in ihrem Leben mindesten 1x  pro Tag  Sex.)

Der Umgang mit Tieren charakterisiert auch den Menschen. In Unterleuten hat es wohl, außer Hunden und Katzen, keine Tiere gegeben.

Der Roman sagt vieles über die Menschen auf dem Lande, doch alles wird auch immer wieder in Frage gestellt, denn die Basis des Romans sind Lügen, Verschlagenheit, Abhängigkeiten und Beziehungen. Das sagt auch die Weisheit auf Seite 503: ‚Was heißt es erwachsen zu werden? Die Antwort lautet: Den größtmöglichen und zugleich unvermeidlichen Verrat zu begehen.‘

Auch wenn sich Zeh hinter dem von ihr kreierten Manfred Gortz (eigentlich ein pfiffiger Gedanke) versteckt, klingt die Autorin mit ihren Weisheiten (S. 214: ‚Wer sitzt wird zurückgelassen‘ oder ‚Macht ist die Antwort auf die Frage, wer wen bewegt‘ oder nicht von Gortz zitiert: ‚Rauchen gehört zu den Dingen, die man können muss, aber nicht müssen darf‘) ziemlich schräg, um nicht zu sagen falsch, einseitig dramatisch oder man könnte es auch, bezogen auf das Alter der Autorin, schlicht und einfach als – altklug- bezeichnen.

Bewertung:

  1. Inhalt, Story (Faktor 1): Das Buch erzählt über Menschen und deren Konflikte in einem, in der ehemaligen DDR gelegenen Ort vor und nach der Wiedervereinigung.

Bewertung: 3

  1. Der Sachverhalt (Faktor 1): Eine feingliedrige Charakterisierung der Menschtypen auf dem brandenburgischen Land.

Bewertung: 3

  1. Der Stil (Faktor 1) ist sehr gut, der Roman läßt sich leicht lesen, auch wenn 300 statt 500 Seiten genügt hätten, ohne dass dadurch inhaltliche Substanz verloren gegangen wäre.

Bewertung: 4

  1. Recherchen (Faktor 0,5): Sind vielleicht etwas einseitig, weil es so scheint, als hätte die Autorin die Verhältnisse nur aus ihrer Sicht rückblickend interpoliert.

Bewertung: 3

  1. Die Handlungsorte (Faktor 0,5) sind glaubhaft beschrieben, bis auf die im Dorf fehlenden Tiere.

Bewertung: 3

  1. Kritische Aspekte zur existierenden Realität, zur Politik, zum Leben der Menschen und Hinweise zum Bessermachen (Faktor 1)*): Wenn ein Autor heutzutage die guten Seiten der DDR nicht beschreiben will, darf oder soll, oder sie ganz und gar nicht kennt, dann fällt die Kritik natürlich sehr einseitig aus. Alle Menschen für schlecht zu erklären – also mit den Worten von Zeh, den größtmöglichen und zugleich unvermeidlichen Verrat an ihnen zu begehen – ist wohl auch eher eine dichterische Schnorre als eine Kritik, also nichts, was den Menschen irgendwie weiterhelfen könnte.

Bewertung: 2

Summe der Bewertung: 3

*) Wahrscheinlich bin ich bezüglich dieses Punktes, trotz meines Alters, immer noch zu naiv, denn gerade bei den am häufigsten prämierten Autoren, fällt es mir oft sehr schwer, auch nur im Ansatz etwas zu diesem Punkt sagen zu können.