Verkehrte Welt: FKK gegen Textil

Ein Beitrag von Anni Kloß, einer ehemaligen DDR-Bürgerin, die gerne unter Gleichgesinnten nackt badet.

Der Artikel der MZ klingt wie eine Geschichte aus der Murkelei von Hans Fallada. Leider ist sie das nicht.

Es ist mir neu, dass in den Bädern Deutschlands, die mit Badeanzügen oder Bikini Bekleideten, um Toleranz bei den Nackten bitten müssen. Das kenne ich nur umgekehrt. Das war auch zu DDR-Zeiten nicht anders.

FKK soll eine Art Staatskultur in der DDR gewesen sein? Auch das kenne ich anders. War FKK nicht eher eine Nische, die viele Menschen unterschiedlichster Art genutzt haben, um sich zu erholen, zu entspannen, fern dogmatischen Denkens und Handelns? Diese Nische wird nun im Halle/Saale der Bundesrepublik, tot geredet und geschrieben.

Initiator dieser verkehrten Welt ist ausgerechnet der Pächter des Bades, der mit der Parole: ‚Hauptsache Halle in Bewegung‘, auch noch in den Stadtrat einziehen will. – Passt perfekt zum Straßenbau in Halle!

Wir haben zu so einer Geschichte früher, also zu DDR-Zeiten, gesagt: ‚Verscheißern können wir uns alleine.‘

In den westlichen Demokratien gibt es natürlich Vereine unterschiedlicher Art, die der Nacktheit frönen, aber sie sind nicht vergleichbar mit einen ganz normalen FKK-Badestrand, ganz ohne Verein und auch ohne Vorschriften. Nackte, und ich glaube nicht nur die, sind naturgemäß gegen Gaffer. Niemand zwingt Kinder sich auszuziehen. Das würden schon wir Nackten selbst verhindern. Nackt zu sein kann und wird nicht erzwungen. Deshalb sollte es ja gekennzeichnete Bereich geben, damit jeder weiß woran er ist.

Ist das etwa etwas Neues?

Wenn der Stadtrat, er hat die Macht dazu, kein FKK in Halle will, dann soll er das verbieten, statt Kanuvereine und Kinderkrippen zur Vertreibung der Nackten einzuspannen.

FFK-Heidesee-2019

Rezensionen von Anni Kloß zu Büchern von Max Balladu.

Als enge Freundin des Autors, habe ich es bisher vermieden meine Rezensionen zu seinen Büchern, auf dieser Webseite zu veröffentlichen. Ich habe mir zwar Mühe gegeben, nüchtern und sachlich zu urteilen, aber meine Sympathie für den Autor und dessen Bücher, konnte ich natürlich nicht so einfach abstellen.

Nachdem wir uns nochmals beraten haben, kamen wir zu dem Schluss, dass es dennoch richtig ist, diese Rezensionen hier, auf separaten Seiten, zu veröffentlichen.

Balladus neues Buch ‚Ein Mensch 08-15?‘ Die Biografie eines Ingeniörs

Mit seinem 8. Buch veröffentlicht Max Balladu die Biografie eines Ingeniörs unter dem Titel:

‚Ein Mensch 08-15?‘

 und dem Untertitel:

Kriegskind – DDR-Mensch – Weltbürger – BRD-Frührentner

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Wie bereits bei den vorherigen Romanen stellt der Autor das neue Buch in zwei

öffentlichen Buchlesungen vor:

  1. Termin:  Mittwoch der  7. 11. 2018 um 19:00 Uhr
  2. Termin:  Donnerstag der  15. 11. 2018 um 19:00 Uhr

Beide Veranstaltungen finden traditionsgemäß in der

Gasstätte ‚Zur Alten Scheune‘ in Bennstedtstatt.

Inhalt der Lesung:

  1. Hinweise zum neuen Buch und dessen Inhalt
  2. Lesung Kap. 3 Communio, Kindheit Teil 1 oder Teil 2
  3. Lesung Kap 7 Theorie und Praxis, Student
  4. Lesung Kap 7 Theorie und Praxis, Assistent
  5. Lesung Kap 11 Das Weib und der Ingenieur
  6. Lesung Kap 14 Tote brauchen keinen Himmel, Rentner Prost als Patient in einer Klinik in Halle,

Anschließend Buchverkauf mit und ohne Signierung:

Das neue Buch:

‚Ein Mensch 08-15?  kostet  16,99 €

Balladu veröffentlicht sein 7. Buch

Mit seinem 7. Buch hat Max Balladu den 2. Teil der Messwartengeschichten unter dem Titel:

‚Alltagswahnsinn oder Einem Ingeniör ist nichts zu schwör‘

 veröffentlicht.

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 Wie bereits bei den vorherigen Romanen stellt der Autor das neue Buch in zwei

öffentlichen Buchlesungen vor:

  1. Termin:  Mittwoch der  18. 10. 2017 um 19:00 Uhr
  2. Termin:  Mittwoch der  25. 10. 2017 um 19:00 Uhr

Beide Veranstaltungen finden traditionsgemäß in der

Gasstätte ‚Zur Alten Scheune‘ in Bennstedt,

statt.

Inhalt der Lesung:

4 Vierzeiler Teil 1

  1. Lesung Kap.22 HCl im VC und die Zeit der Wende 1989/90

4 Vierzeiler Teil 2

  1. Lesung Kapitel 22 Unsterblich

4 Vierzeiler Teil 3

  1. Lesung Kap 33 Einem Ingeniör …; Brand in VC-Kolonne

4 Vierzeiler Teil 4

  1. Lesung Kap. 35 Der Tod und kleinere Katastrophen

Gedicht Alltag

Anschließend Buchverkauf mit und ohne Signierung:

Das neue Buch:

‚Alltagswahnsinn‘ Teil 2  kostet  14,99 €

Also genau so viel, wie der 1. Teil

Wer an der Lesung nicht teilnehmen kann, aber ein Buch mit oder ohne Signierung direkt vom Autor kaufen möchte, schickt einfach eine E-Mail an Max Balladu (der(ad)mensch0815.de) und bekommt das Buch portofrei zugeschickt.

 Der Kauf direkt vom Autor hilft Max Balladu die Eigenkosten zu minimieren.

Buchtipp 64: Julie Zeh, ‚Unterleuten‘

Rezension zum 2017 erschienenen Roman von Juli Zeh, ‚Unterleuten‘

Inhalt:

Manchmal kann die Idylle auch die Hölle sein. Wie das Dorf ‚Unterleuten‘ irgendwo in Brandenburg. Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten, von den kleinen Häusern, die sich Stadtflüchtlinge aus Berlin gerne kaufen, um sich den Traum von einem unschuldigen und unverdorbenen Leben außerhalb der Hauptstadthektik zu erfüllen. Doch als eine Investmentfirma einen Windpark in unmittelbarer Nähe der Ortschaft errichten will, brechen Streitigkeiten wieder auf, die lange Zeit unterdrückt worden waren. Denn da ist nicht nur der Gegensatz zwischen den neu zugezogenen Berliner Aussteigern, die mit großstädtischer Selbstgerechtigkeit,  Arroganz und wenig Sensibilität für Reibungen sorgen, da ist auch der nach wie vor untergründig schwelende Konflikt zwischen Nutznießern und Verlierern nach der Wende. Kein Wunder, dass im Dorf schon bald die Hölle los ist …

 

Kritik: Der Marktwert des Menschen.

Die Charakterisierung der Menschtypen auf dem brandenburgischen Land ist Zeh gut gelungen.

Wenn ein Autor über den Osten Deutschlands schreibt, und die Handlung sowohl in Zeiten der DDR als der BRD stattfindet, dann merkt man schnell, ob der (die) Schreiber(in) aus dem Westen oder Osten kommt. Zeh ist eindeutig Wessi und sie kann den Menschen nach seinem Marktwert einsortieren: z. B. Seite 37: Die 16-jährige Linda denkt von ihrem, 2 Klassen über ihr liegenden Schulkameraden: „…, obwohl sein Marktwert erheblich unter ihren lag…“ (S. 214 „Wenn man zum Beispiel herausfinden wollte welchen Marktwert man in einem Öko-Haushalt besaß.“).

Nachträglich begreife ich, dass uns, also die DDR-Menschen, die Wessis damals genau so gesehen haben: Menschen unter dem Marktwert jedes Bundesbürgers. Ossis konnten also allein durch das Abhauen in den Westen ihren Marktwert erheblich steigern?

Außerdem ist aus meiner Sicht typisch für Wessis: Sie sind überzeugt davon, dass, wenn überhaupt, nur die Familien zusammenhalten.  Dass Freunde besser als Familie sein könnten, wird nicht einmal im Ansatz erwähnt. Und doch ist es so, sagen mir meine Erfahrungen.

Seite 296 sagt der Wessimann Fließ: ‚Schatz, geh in den Keller und hol mir die Taschenlampe.‘ Die Gleichberechtigung der Frau in der DDR war der im Westen weit voraus, sicherlich auch auf dem Dorf im Brandenburgischen.

Resümierend muss ich konstatieren, dass bei mir der Eindruck entstanden ist, dass Zeh  was gegen Männer hat!? Der promovierte Mann Fließ liebt (vergöttert?) seine 20 Jahre jüngerer Frau, während sie das Verhältnis sehr sachlich sieht, weil sie nur mit schwacher Liebe in die Ehe gegangen ist. Die Pferdefrau (Linda), auch eine Zugezogene, wird von ihrem fast gleichaltrigen Manne bedingungslos geliebt, aber sie selbst ist nur die engagierte, nüchterne, zwar Sex genießende, aber sonst fast gefühllose Macherin? – Wolfi (schon der Name sagt viel) ist sowohl als Dichter als auch Mann nur eine Pfeife, ein Versager. Die im Gegensatz dazu aktiven, handelnden, starken, also tonangebenden, einheimischen Männer sind fett, brutal oder beides und brüllen gern. Trotzdem passt einer der fetten durch eine 80 cm große Öffnung?

Scheinbar liebt Zeh starke Frauen. Haben die Menschen im Roman deshalb so wenig Sex in ihrem Leben? Oder hat auch die Autorin nicht viel Sinn für Sex? (Meine Erfahrung sagt: Viele Menschen, im Alter zwischen 16 und 70, haben in ihrem Leben mindesten 1x  pro Tag  Sex.)

Der Umgang mit Tieren charakterisiert auch den Menschen. In Unterleuten hat es wohl, außer Hunden und Katzen, keine Tiere gegeben.

Der Roman sagt vieles über die Menschen auf dem Lande, doch alles wird auch immer wieder in Frage gestellt, denn die Basis des Romans sind Lügen, Verschlagenheit, Abhängigkeiten und Beziehungen. Das sagt auch die Weisheit auf Seite 503: ‚Was heißt es erwachsen zu werden? Die Antwort lautet: Den größtmöglichen und zugleich unvermeidlichen Verrat zu begehen.‘

Auch wenn sich Zeh hinter dem von ihr kreierten Manfred Gortz (eigentlich ein pfiffiger Gedanke) versteckt, klingt die Autorin mit ihren Weisheiten (S. 214: ‚Wer sitzt wird zurückgelassen‘ oder ‚Macht ist die Antwort auf die Frage, wer wen bewegt‘ oder nicht von Gortz zitiert: ‚Rauchen gehört zu den Dingen, die man können muss, aber nicht müssen darf‘) ziemlich schräg, um nicht zu sagen falsch, einseitig dramatisch oder man könnte es auch, bezogen auf das Alter der Autorin, schlicht und einfach als – altklug- bezeichnen.

Bewertung:

  1. Inhalt, Story (Faktor 1): Das Buch erzählt über Menschen und deren Konflikte in einem, in der ehemaligen DDR gelegenen Ort vor und nach der Wiedervereinigung.

Bewertung: 3

  1. Der Sachverhalt (Faktor 1): Eine feingliedrige Charakterisierung der Menschtypen auf dem brandenburgischen Land.

Bewertung: 3

  1. Der Stil (Faktor 1) ist sehr gut, der Roman läßt sich leicht lesen, auch wenn 300 statt 500 Seiten genügt hätten, ohne dass dadurch inhaltliche Substanz verloren gegangen wäre.

Bewertung: 4

  1. Recherchen (Faktor 0,5): Sind vielleicht etwas einseitig, weil es so scheint, als hätte die Autorin die Verhältnisse nur aus ihrer Sicht rückblickend interpoliert.

Bewertung: 3

  1. Die Handlungsorte (Faktor 0,5) sind glaubhaft beschrieben, bis auf die im Dorf fehlenden Tiere.

Bewertung: 3

  1. Kritische Aspekte zur existierenden Realität, zur Politik, zum Leben der Menschen und Hinweise zum Bessermachen (Faktor 1)*): Wenn ein Autor heutzutage die guten Seiten der DDR nicht beschreiben will, darf oder soll, oder sie ganz und gar nicht kennt, dann fällt die Kritik natürlich sehr einseitig aus. Alle Menschen für schlecht zu erklären – also mit den Worten von Zeh, den größtmöglichen und zugleich unvermeidlichen Verrat an ihnen zu begehen – ist wohl auch eher eine dichterische Schnorre als eine Kritik, also nichts, was den Menschen irgendwie weiterhelfen könnte.

Bewertung: 2

Summe der Bewertung: 3

*) Wahrscheinlich bin ich bezüglich dieses Punktes, trotz meines Alters, immer noch zu naiv, denn gerade bei den am häufigsten prämierten Autoren, fällt es mir oft sehr schwer, auch nur im Ansatz etwas zu diesem Punkt sagen zu können.

Buchtipp 62: Janka, ‚Spuren eines Lebens‘ und Harich, ‚Ahnenpass‘

Rezension zu den Autobiografien: Walter Janka*): Spuren eines Lebens und Wolfgang Harich**): Ahnenpaß – Versuch einer Autobiografie

Die DDR wird in der BRD einseitig von den wichtigsten Medien, unter Berufung auf die Wahrheit, verteufelt. Wer etwas über die andere Seite der Wahrheit wissen möchte, sollte nachfolgende Rezension  lesen.

Kritik: Wahrheit aus der Sicht des Einzelnen ist immer subjektiv.

Inhalt:

Walter Janka:

Das oberste Gericht der DDR verurteilte Janka am 26. Juli 1957 wegen Boykotthetze und als unmittelbarer Hintermann und Teilnehmer einer konterrevolutionären Gruppe zu fünf Jahren Zuchthaus mit verschärfter Einzelhaft (Verhaftung am 6. Dezember 1956, und am 23. Dezember 1960 auf Grund internationaler Proteste vorzeitige Haftentlassung). Janka hat die Anklage nicht anerkannt und auf unschuldig plädiert.

Wolfgang Harich:

Das oberste Gericht der DDR verurteilte Harich im März 1957 wegen Bildung einer konspirativen staatsfeindlichen Gruppe zu zehn Jahren Zuchthaus. (Verhaftung am 29. November 1956, und Ende 1964 durch eine Amnestie vorzeitige Haftentlassung). Harich hat ein umfassendes Geständnis abgelegt.

Zu den Büchern:

Beide Biografien existieren unabhängig voneinander und sind doch eng miteinander verknüpft, bis zu den Gerichtsverhandlungen freundschaftlich, danach feindlich.

Jankas Buch, Spuren eines Lebens, ist übersichtlich systematisiert, chronologisch, enthält klare Aussagen in gut verständlichem Erzählstil, und ist damit für jedermann gut zu lesen. Die Schilderungen der einzelnen Lebensstationen klingen sachlich-ehrlich, dadurch glaubwürdig und überzeugend. Es entstand für mich in keiner Phase des Lesens der Eindruck, dass Janka irgendjemanden im Zusammenhang mit der Gerichtsverhandlung zu unrecht beschuldigt hat. Aus seiner Sicht schreibt er die Wahrheit.

Harichs Ahnenpaß – Versuch einer Autobiografie, ist genau das Gegenteil: Unübersichtlich, ohne erkennbare Systematik, der Autor springt zwischen den unterschiedlichsten Zeiten hin und her, die meisten Aussagen zu konkreten Situationen sind verschwommen. Trotzdem ist das Buch auf ganz andere Art und Weise sehr interessant und gut lesbar. Der Charakter des Autors ist in der Biografie gut zu erkennen, teilweise vermutlich von ihm beabsichtigt, aber andererseits vielleicht auch wieder nicht. So kann ich auch für dieses Buch sagen, dass Harich aus seiner Sicht die Wahrheit schreibt, auch wenn der Leser das Geschriebene etwas anders interpretieren mag, als der Autor selbst.

Die teilweise völlig andere Sicht der Dinge ist interessant und unleugbar ist der Verfasser Harich ein hoch intelligenter Mann, der absolut auf der Höhe der aktuellen Philosophie, aber nicht immer auf der des Alltagslebens stand.

Und doch gehören gerade diese zwei Bücher zusammen, nicht unbedingt wie Kain und Abel, eher vielleicht wie Faust und Mephisto oder, einfacher ausgedrückt, wie erst gleichgesinnter Intimus und dann entzweiter Widersacher.

Der Beweis der Zusammengehörigkeit für mich ist, dass beide ähnliche politische Ausgangspunkte im Leben haben und auch nach der Wende ihren linken politischen Auffassungen treu geblieben sind.

Wir alle wissen, dass es mit der Wahrheit so eine schwierige Sache ist, denn objektiv sieht der einzelne Mensch die Realität um sich herum anders, als sein Partner, sein Freund, der Nachbar oder gar der Chronist.

Aus meiner Sicht scheint es mir ein guter Rat zu sein, unbedingt beide Bücher zu lesen.

Ich empfehle mit Jankas Buch anzufangen.

Bewertung Janka:

  1. Inhalt, Story (Faktor 1): Der Titel ‚Spuren eines Lebens‘ ist treffend.

Bewertung: 5

  1. Der Sachverhalt (Faktor 1) wurde übersichtlich, systematisiert, chronologisch erzählt und enthält klare Aussagen in gut verständlicher Sprache.

Bewertung: 4

  1. Der Stil (Faktor 1) ist sehr gut und deshalb das Buch auch leicht zu lesen.

Bewertung: 4

  1. Recherchen (Faktor 0,5): Die Schilderungen der einzelnen Lebensstationen klingen sachlich-ehrlich, dadurch glaubwürdig und überzeugend.

Bewertung: 4

  1. Die Handlungsorte (Faktor 0,5) sind glaubhaft beschrieben (s. Punkt4)

Bewertung: 4

  1. Kritische Aspekte zur existierenden Realität, zur Politik, zum Leben der Menschen und Hinweise zum Bessermachen (Faktor 1): Das durch die diktatorische Funktion der SED beeinflusste Justizsystem, einschließlich Strafvollzug in der DDR wird am konkreten Beispiel angeklagt. Nicht die DDR war schlecht, sondern die durch die Allmacht der SED-Kader ausgeübte Diktatur. Die PDS, später Die Linke, hat die richtigen Schlussfolgerungen gezogen, denen Janka zustimmte.

Bewertung: 5

Summe der Bewertung: 4

Bewertung Harich:

  1. Inhalt, Story (Faktor 1): Im Gegensatz zu Janka läßt der Titel ‚Ahnenpaß‘ den Leser rätseln, der Untertitel‚ ‚Versuch einer Autobiografie‘ klärt auf, wohl auch dadurch, weil der Autor damit die eigenen Zweifel andeutet.

Bewertung: 2

  1. Der Sachverhalt (Faktor 1) ist unübersichtlich und ohne erkennbare Systematik dargestellt. Der Autor springt zwischen den unterschiedlichsten Zeiten hin und her und die meisten Aussagen zu konkreten Situationen sind verschwommen.

Bewertung: 2

  1. Der Stil (Faktor 1) ist gut, trotz der teilweise verwirrenden Inhalte der Sätze. Auch dieses Buch ist auf ganz andere Art und Weise als bei Janka, sehr interessant, philosophisch und gut lesbar.

Bewertung: 4

  1. Recherchen (Faktor 0,5): Die Schilderungen der einzelnen Lebensstationen, insbesondere das, was mit dem Prozess zu tun hat, klingt verworren, drückt aber deutlich das Suchen des Autors nach der Wahrheit aus, vermischt mit Versuchen der Rechtfertigung der eigenen Verhaltensweise. Auch das wirkt glaubwürdig und überzeugend.

Bewertung: 4

  1. Die Handlungsorte (Faktor 0,5) sind glaubhaft beschrieben (s. Punkt4)

Bewertung: 4

  1. Kritische Aspekte zur existierenden Realität, zur Politik, zum Leben der Menschen und Hinweise zum Bessermachen (Faktor 1): Genau wie Janka klagte der Autor das versteckte Diktat der SED (wichtige Kader mussten in der SED sein, bzw. deren Kariere war einzig und allein von der SED abhängig) auf das Justizsystem, einschließlich Strafvollzug in der DDR an. Auch bei ihm kann man lesen, dass nicht die DDR schlecht war, sondern die durch die Allmacht der SED-Kader ausgeübte Diktatur. Die PDS, später Die Linke, hat die richtigen Schlussfolgerungen gezogen, denen sich genau wie Janka auch Harich anschloss.

Bewertung: 5

Summe der Bewertung: 4

 

*) Walter Janka (1914-1994), international bekannter Dramaturg der DEFA und Geschäftsführer im Aufbauverlag der DDR

**) Wolfgang Harich (1923-1995), bekannter Journalist und Philosoph (Professor an der Berliner Universität) in der DDR, vor seiner Verhaftung Cheflektor bei Janka im Aufbauverlag.

Buchtipp 48: Christoph Hein, ‚Glückskind mit Vater‘

Rezension zum 2016 erschienenen Roman ‚Glückskind mit Vater‘ von Christoph Hein

Inhalt:

Der Sohn, in der entstehenden DDR lebend, muss seit seiner Geburt im Jahr 1945 vor dem kriegsverbrecherischen toten Vater sein ganzes Dasein im Fluchtmodus zubringen: psychisch, physisch, beruflich, geographisch, in Liebesdingen.

Es gibt zahlreiche Versuche, aus dem Schatten des Vaters herauszutreten: Er nimmt einen anderen Namen an, will in Marseille Fremdenlegionär werden, reist kurz nach dem Mauerbau wieder in die DDR ein, darf dort kein Abitur machen, bringt es gleichwohl, glückliche Umstände ausnutzend – Glückskind eben –, in den späten DDR-Jahren bis zum Rektor einer Oberschule – fast.

Christoph Hein erzählt ein beispiellos-beispielhaftes Leben in mehr als sechzig Jahren deutscher Zustände.

Kritik: Das Leben der Übrigen

Der Autor hat auf geschickte Art und Weise einen Roman geschrieben, der eine sehr gute repräsentative Biografie eines Mannes verfasst, der etwa 1945 geboren wurde und fast immer in der DDR gelebt hat. Hein beschreibt auf interessante Art und Weise die Höhen und Tiefen im Leben eines Menschen von der Geburt bis zur Pensionierung.

Die Handlung ist nachvollziehbar und insgesamt auch deshalb glaubhaft, weil der Autor das Leben und die Konflikte der Menschen in der DDR so beschreibt, dass nicht immer nur das diktatorische System im Vordergrund steht, wie das heute bei den meisten Autoren üblich ist, nein, er schreibt über das Leben der Übrigen. Wer diese Darstellung wirklich kennen lernen will, kann in diesem Buch erfahren, wie die Menschen, die nicht revoluzzert haben – was wohl auf die meisten zutreffen dürfte – ihr Leben in der DDR, also innerhalb deren Grenzen, gestaltet haben.

Ein paar philosophische Gedanken fand ich auch sehr interessant, z. B. Seite 499/500, wo der der Autor seine Hauptfigur auf einen Millionengeldbetrag verzichten lässt. Mein Freund, der Autor Max Balladu (u. a. in ‚Die ost-westliche Akte‘), äußert in den genannten Büchern einen ähnlichen Gedanken und wir haben heftig darüber gestritten, aber letztendlich fand ich auch, dass der Gedanke sehr interessant und diskussionswürdig ist.

Oder die Aussagen des reifen Romanhelden über heutige Philosophen: S. 502 ‚… wieso glaubt dieser Bursche mehr vom Leben zu verstehen, nur weil er ebenso geheimnisvolle wie nebulöse Sätze zu Papier bringt und als bedeutender Philosoph gilt.‘ Genau, wieso eigentlich?

De omnibus dubitare- an allem ist zu zweifeln -.

Es gibt heute haufenweise Bücher die so überklug daherkommen.

Insgesamt denke ich, hätten dem Roman 350-400 Seiten besser zu Gesicht gestanden. Einige Passagen besonders am Anfang und am Ende kamen mit sehr in die Länge gestreckt vor.

Dennoch werde ich dieses Buch von Hein nicht wieder bei eBay wiederverkaufen, wie ich das mit den meisten anderen Publikationen tue. Der Roman kommt zu meiner kleinen Büchersammlung hinzu.

 

Bewertung:

  1. Inhalt, Story (Faktor 1): Interessante Beschreibung der Höhen und Tiefen im Leben eines Menschen von der Geburt bis zur Pensionierung.

Bewertung: 4

  1. Der Sachverhalt (Faktor 1): Sehr gute repräsentative Biografie eines Menschen, der etwa 1945 geboren wurde und fast immer in der DDR gelebt hat.

Bewertung: 5

  1. Der Stil (Faktor 1) ist gut, obwohl auch in der heute üblichen und wohl modernen Schreibweise, ohne direkte Rede, verfasst. Am Anfang und Ende etwas zu langatmig. 350-400 Seiten hätten auch genügt.

Bewertung: 3

  1. Handlungsorte sind ausreichend beschrieben, die Recherchen (Faktor 0,5) nachvollziehbar und insgesamt auch deshalb glaubhaft, weil der Autor das Leben und die Konflikte der Menschen in der DDR so beschreibt, dass nicht immer nur das diktatorische System im Vordergrund steht, wie das heute bei den meisten Autoren üblich ist.

Bewertung: 4

  1. Subjektiver Eindruck des Rezensenten (Faktor 1, betrifft Humor, politische Richtung, Spaß oder Ärger beim Lesen, die Zeit vergeht nicht) trotz der mir unangenehmen Schreibweise, konnte ich das Buch relativ leicht und mit Lust lesen.

Bewertung: 4

  1. Kritische Aspekte zur existierenden Realität, zur Politik, zum Leben der Menschen und Hinweise zum Bessermachen (Faktor 1): Auch diesbezüglich handelt der Autor klug, in dem er nicht nur die DDR kritisiert, sondern auch die Diktatur vor 1945 und besonders die, die Demokratie und Freiheit verspottende Politik, sowie die Klassengesellschaft der BRD einschließlich deren sonstige Fehler und Mängel.

Bewertung: 5

Bewertung: 4