Balladus neuestes Buch ‚Lose Blätter‘

Hallo liebe Lesefreunde! 

Mit dem 9. Buch veröffentlicht Max Balladu als Herausgeber eine Anthologie unter dem Titel: 

‚Lose Blätter‘ 

eine Blütenlese mit Erzählungen und Gedichten von: 

EWa, Jörg Körner, Anni Kloß, Mimi H, Heiz Schubert, Helene Paetz und Max Balladucover-buch9-lose-blaetter-rev3

 Wie bereits bei den vorherigen Lesungen stellt in diesem Falle der Herausgeber das neue Buch in zwei öffentlichen Buchlesungen vor: Lesung-buch9

Inhalt:

  1. Lesung ‚Aller Anfang ist schwer‘

Gedicht A. Kloß ‚Revolution auf ostdeutsch‘

  1. Lesung Ewa ‚Weggefährten (1)‘

Gedicht Helene Paetz ‚Trag dein Leid‘

  1. Lesung Körner ‚Sittenstrolch‘ 

Gedicht Mimi H Der Zukunftsträger

  1. Lesung Balladu ‚Kreis‘ (oder Altersheim)

Gedicht Kloß ‚Schweigen‘ (oder Schubert Herbstlied)

 

Es können auch Bücher von Balladu erworben werden.

 

 

 

Buchtipp 66: Karl Olsberg, ‚Mirror‘

Rezension zum 2016 erschienenen Roman von Karl Olsberg, ‚Mirror‘

Inhalt:

Dein Mirror kennt dich besser als du selbst.

Er tut alles, um dich glücklich zu machen.

Ob du willst oder nicht.

Wie digitale Spiegelbilder wissen Mirrors stets, was ihre Besitzer wollen, fühlen, brauchen. Sie steuern subtil das Verhalten der Menschen und sorgen dafür, dass jeder sich wohlfühlt. Als die Journalistin Freya bemerkt, dass sich ihr Mirror merkwürdig verhält, beginnt sie sich zu fragen, welche Macht diese Geräte haben. Dann lernt sie den autistischen Andy kennen und entdeckt, dass sich die Mirrors immer mehr in das Leben ihrer Besitzer einmischen – auch gegen deren Willen. Als sie mit ihrem Wissen an die Öffentlichkeit geht, hat das unabsehbare Folgen …

Autor:

Karl Olsberg promovierte über Anwendungen Künstlicher Intelligenz. Er war Unternehmensberater, Marketingdirektor eines TV-Senders, Geschäftsführer und erfolgreicher Gründer mehrerer Start-ups. Heute arbeitet er als Schriftsteller und Unternehmer und lebt mit seiner Familie in Hamburg.

Kritik: Von Natur aus Optimist?

Wenn man als Durchschnittsmensch auch mit der Entwicklung der Technik, insbesondere mit der, der Kommunikation, mithalten will, dann lohnt es sich doppelt, dieses Buch von Olsberg zu lesen. Die unterhaltsame und spannende Story ermöglicht es dem Autor die modernsten Kommunikationsmöglichkeiten und deren positive als auch vielleicht noch gravierender, deren negative Auswirkungen auf den Menschen bildlich darzustellen.

Eine Journalistin als Hauptperson kann uns die Möglichkeiten zeigen, wie auch heute noch unangenehme Wahrheiten veröffentlicht werden können, allerdings verbunden mit der akuten Gefahr in den sozialen Netzwerken verrissen, verunglimpft und sogar auf primitivste Weise beschimpft zu werden, weil insbesondere die mit der neuen Technik verbundenen Möglichkeiten der Wahrheitsgegner alles Negative öffentlich machen können. Schon das kann dem Autor arg zu schaffen machen. Wenn jedoch diese Kräfte konzentriert durch eine Hand gesteuert werden, können diese für den Autor tödlich wirken.

Facebook lieferte dem Autor Olsberg hierfür offensichtlich viele gute Beispiele.

Das Buch ist eine Warnung, mit dickem Ausrufungszeichen, vor der Verwendung unausgereifter, vielleicht auch fragwürdiger Technik. Der extra Hinweis auf die außerordentliche Gefahr für die Menschheit bei der Verwendung dieser Technik durch das Militär ist zwar nur im Epilog enthalten, aber dort sehr deutlich formuliert und in diesem Falle gar nicht optimistisch, aber dadurch umso nachhaltiger auf den Leser wirkend.

Bewertung:

  1. Inhalt, Story (Faktor 1): Der Rahmen einer spannenden Geschichte ermöglicht es dem Autor fesselnd und unterhaltend, die Möglichkeiten der derzeitigen, und noch vielmehr der zukünftig zu erwartenden Kommunikationsmöglichkeiten zu durchleuchten und hilft den normalen Konsumenten dieser Technik diese auch zu verstehen.

Bewertung: 4

  1. Der Sachverhalt (Faktor 1): Die Möglichkeiten einer Journalistin unangenehme Wahrheiten zu veröffentlichen und die wütende Reaktion der Andersdenkenden danach.

Bewertung: 3

  1. Der Stil (Faktor 1) ist sehr gut, das Buch ist spannend und läßt sich ausgezeichnet lesen.

Bewertung: 4

  1. Recherchen (Faktor 0,5): sind hervorragend, weil der Autor sich offensichtlich gut in dem Metier auskennt.

Bewertung: 5

  1. Die Handlungsorte (Faktor 0,5) sind glaubhaft beschrieben.

Bewertung: 3

  1. Kritische Aspekte zur existierenden Realität, zur Politik, zum Leben der Menschen und Hinweise zum Bessermachen (Faktor 1): Das Buch ist eine Warnung mit dickem Ausrufungszeichen vor der Verwendung unausgereifter, vielleicht auch fragwürdiger Technik. Mit einem extra Hinweis auf die außerordentliche Gefahr für die Menschheit bei der Verwendung dieser Entwicklungen durch das Militär.

Bewertung: 4

Summe der Bewertung: 4

 

Buchtipp 59: Frank Goyke, ‚Altweibersommer‘

Rezension zum 2015 erschienen Roman ‚Altweibersommer‘ von Frank Goyke

Inhalt:

Theodor und Emilie Fontane sind im September 1873 auf dem Weg nach Gut Wustrau. Während sich beide über den Ruppiner See rudern lassen, ertönt in der Stille des Spätsommertages ein Schuss. Hat die Jagdsaison begonnen? Beim Souper ereilt Graf von Zieten-Schwerin die Nachricht, dass im Forst von Altfriesack ein Toter liegt im Abendanzug, die Pistole neben sich. Es ist der in den Gründerjahren zu Reichtum gekommene Baulöwe Schwartz aus Berlin. Fontane zweifelt an der Selbstmordthese des märkischen Amtsgerichtsrats und beginnt, sehr zum Leidwesen Emilies, selbst zu ermitteln.

Kritik: Ohne Pathologie kein Kriminalfall

Eine interessante, wenn auch keine neue Idee, die Kriminalstory in eine andere Zeit zu verlegen, und dort einen bekannten Schriftsteller als Ermittler wirken zu lassen. Deshalb war es für den Autor nahe liegend, den Begründer der modernen Pathologie, Rudolf Virchow, maßgeblich in die Lösung des Falls mit einzubeziehen. Das Bild, das der Autor von dieser Zeit, um 1870, entwirft, wirkt realistisch und wird neuerdings durch den Fernsehfilm Charité sehr gut ergänzt.

Am Anfang fiel mir das Lesen des Romans etwas schwer, weil mir die Geschichte langweilig vorkam, aber nach und nach wurde die Story interessanter, und das Lesen machte wieder Freude.

Im Gegensatz zur erwähnten Fernsehserie, vermeidet Goyke weitestgehend Kritik an den Ungerechtigkeiten der Zeit. Er beschreibt die Situation, wie sie damals war, aber er will mit seinem Roman wohl vor allen Dingen unterhalten.

 Bewertung:

  1. Inhalt, Story (Faktor 1): Die Story lebt sowohl von der bekannten Hauptperson Fontane sowie dem, die moderne Pathologie begründenden, Rudolf Virchow und der interessanten historischen Zeit um 1870 in Berlin und die Mark Brandenburg. Dahinein ist der Kriminalfall eingebettet.

Bewertung: 3

  1. Der Sachverhalt (Faktor 1): Der Schriftsteller Fontane klärt gemeinsam mit einem preußischen Kriminalinspektor einen Mord auf.

Bewertung: 3

  1. Der Stil (Faktor 1) ist gut, anfangs etwas langweilig, aber dann immer flüssiger und interessanter werdend.

Bewertung: 3

  1. Recherchen (Faktor 0,5) müssen sehr intensiv gewesen sein und rufen keinen Widerspruch beim Leser hervor.

Bewertung: 4

  1. Die Handlungsorte (Faktor 0,5) sind glaubhaft beschrieben und werden durch die aktuelle Fernsehserie ‚Charité‘ bildhaft ergänzt.

Bewertung: 3

  1. Kritische Aspekte zur existierenden Realität, zur Politik, zum Leben der Menschen und Hinweise zum Bessermachen (Faktor 1): Im Gegensatz zur erwähnten Fernsehserie, vermeidet Goyke weitestgehend Kritik an den Ungerechtigkeiten der Zeit. Er beschreibt die Situation, wie sie damals war, aber er will mit seinem Roman wohl vor allen Dingen unterhalten.

Bewertung: 2

Summe der Bewertung: 3

Buchtipp 56: S. Ludwig, ‚Zorn Wie du mir‘

Die Rezension zum 2016 erschienenen Roman ‚Zorn – Wie du mir‘ von Stephan Ludwig

Inhalt:

Hauptkommissar Claudius Zorn kann es nicht fassen, als er am Morgen seines fünfundvierzigsten Geburtstags neben Staatsanwältin Frieda Borck aufwacht. Wie, bitteschön, konnte das passieren? Auf dem Präsidium kommt es fortan zu peinlichen Zusammentreffen der beiden, und zwischendurch wartet Zorn wie ein liebeskranker Teenager darauf, dass die Staatsanwältin auf seine SMS antwortet. Doch eigentlich hat Zorn noch ein viel gravierenderes Problem: Schröder und er ermitteln in einem neuen Fall, die Leiche eines jungen Mannes wurde an einen Baum gefesselt am Flussufer gefunden. In seinem Oberschenkel steckt ein Zimmermannsnagel, ein möglicher Hinweis auf Folter. Schröder bittet Zorn, die Anruferliste auf dem Handy des Toten durchzugehen. Zorn, nicht ganz bei der Sache, kümmert sich erst viel zu spät darum. Nur, um auf etwas zu stoßen, was er lieber nie gefunden hätte. Denn der Tote hat kurz vor seiner Ermordung eine Nummer gewählt, die Zorn kennt. Und plötzlich steckt Zorn mitten in etwas drin, das ihn vor ein schier unlösbares moralisches Dilemma stellt …

Kritik: Das Genie und der Simpel.

Im Rahmen der sehr breiten Auswahl der Bücher, die ich lese, bin ich dabei seit Mitte Dezember vorigen Jahres bis heute, Mitte Januar 2017 mit dem 6. Zorn von Stephan Ludwig auf den 3. Roman (von insgesamt 12) gestoßen, in dem ein Genie die Hauptrolle spielt. Diesmal ist einer der beiden Toten das Superhirn. Ist das nicht schon in sich ein Widerspruch? Davon abgesehen, dass es ja eigentlich unmöglich ist von einem, wenn vielleicht auch hochbegabtem, Autor, Genialität mit seinem Text zum Ausdruck zu bringen. Aus meiner Sicht hat Ludwig diesen Antagonismus zwar nicht genial, aber pfiffig genutzt. Überhaupt hat mich dieses 6. Buch widererwarten angenehm überrascht, weil der Autor auf die detaillierte Beschreibung sadistischer Handlungen fast vollständig verzichtet hat. Dafür hat er sich den 2 männlichen Hauptpersonen intensiver gewidmet. Trotzdem bleibt die Darstellung von Claudius Zorn dennoch sehr widersprüchlich, aber die Proportionen zwischen den beiden Polizisten stimmen dieses mal. So vereint Zorn fast alle negativen Charaktereigenschaften in sich, während Schröder der fleißige Ermittler, geniale Denker und inzwischen auch der Chef von den beiden ist.

Eigenartig fand ich dennoch, dass Zorn sich seinem 2-jährigen Sohn gegenüber wie dessen übervorsichtige Großtante benimmt. Dieser Eindruck wird beim gemeinsamen Rummelbesuch (der 2-jährige, Zorn und Schröder) unterstrichen und doch nennt der Autor dieses Verhalten von Zorn, dass der so den Boss mimte?

Zorns älterer, reicher, erfolgreicher Bruder nennt den kleinen Kommissar einen Versager. Dieser, heute so viel gebrauchter Ausdruck, klingt ziemlich dumm. Früher hat schon mal der eine zum anderen in der emotionalen Erregung gesagt: Du bist ein A(rsch)! Und die Antwort lautete: danke gleichfalls. Ich finde das trifft es besser, weil der Ausdruck zwar beleidigend (was bezweckt war), aber nicht gleichzeitig diskriminierend ist.

Weitere Beispiele für Zorns widersprüchliches Verhalten sind z. B. S.205, wo der Autor seinen Helden sagen lässt: „Denken ist für mich genauso anstrengend wie Bierkästen schleppen.“ Und beides könne er nicht!

Oder S. 207: Zorn kann auch nicht die Batterien einer Fernbedienung wechseln ohne sich die Finger zu brechen.

Oder S. 253: Und richtig fühlen kann er auch nicht. Dabei ist dieses Fühlen doch eigentlich ein Instinkt (die Fähigkeit etwas gefühlsmäßig zu erfassen) und der funktioniert nicht bei Zorn?

Trotz der Kritik konnte ich das Buch gut lesen, ohne mich zu ärgern und auch das Rätseln über die halleschen Handlungsorte machte mir Spaß.

Wenn man will, kann man auch eine vorsichtige Kritik an skrupellosen Unternehmern und korrupten Politikern herauslesen.

Bewertung:

  1. Inhalt, Story (Faktor 1): ein tödlicher Verkehrsunfall und ein exzentrischer Mord beschäftigen die beiden sehr unterschiedlichen Ermittler Schröder und Zorn in ihrem 6. gemeinsamen Fall.

Bewertung: 4

  1. Der Sachverhalt (Faktor 1): Weil das Mordopfer ein Supergenie ist, gestalten sich die Ermittlungen schwer und dauern länger als erwartet.

Bewertung: 3

  1. Der Stil (Faktor 1) ist gut, aber manchmal auch ein wenig langweilig, wegen der teilweise sehr detaillierten Beschreibung der speziellen Charaktere der zwei Polizisten.

Bewertung: 3

  1. Handlungsorte sind ausreichend beschrieben, für Hallenser vermutlich bewusst etwas verschlüsselt.

Bewertung: 4

  1. Subjektiver Eindruck des Rezensenten (Faktor 1, betrifft Humor, politische Richtung, Spaß oder Ärger beim Lesen, die Zeit vergeht nicht) Die Story ist auch für Gegner der ausführlichen Beschreibung von Grausamkeiten und Sadismus gut lesbar, weil der Autor darauf fast vollständig verzichtet hat.

Bewertung: 3

  1. Kritische Aspekte zur existierenden Realität, zur Politik, zum Leben der Menschen und Hinweise zum Bessermachen (Faktor 1): Die vorsichtige Kritik an skrupellosen Unternehmern und korrupten Politikern hält sich in Grenzen.

Bewertung: 3

Gesamtbewertung: 3

 

Buchtipp 55: Marc Elsberg,’Helix‘

Die Rezension zum 2016 erschienenen Roman ‚Helix – Sie werden uns ersetzen‘ von Marc Elsberg

Inhalt:

Der US-Außenminister stirbt bei einem Staatsbesuch in München. Während der Obduktion wird auf seinem Herzen ein seltsames Zeichen gefunden – von Bakterien verursacht? In Brasilien, Tansania und Indien entdecken Mitarbeiter eines internationalen Chemiekonzerns Nutzpflanzen und -tiere, die es eigentlich nicht geben kann. Zur gleichen Zeit wenden sich Helen und Greg, ein Paar Ende dreißig, die auf natürlichem Weg keine Kinder zeugen können, an eine Kinderwunschklinik in Kalifornien. Der Arzt macht ihnen Hoffnung, erklärt sogar, er könne die genetischen Anlagen ihres Kindes deutlich verbessern. Er erzählt ihnen von einem – noch inoffiziellen – privaten Forschungsprogramm, das bereits an die hundert solcher »sonderbegabter« Kinder hervorgebracht hat, und natürlich wollen Helen und Greg ihrem Kind die besten Voraussetzungen mitgeben, oder? Doch dann verschwindet eines dieser Kinder, und alles deutet auf einen Zusammenhang mit sonderbaren Ereignissen hin – nicht nur in München, sondern überall auf der Welt …

Kritik:300 Prozent (Profit) und es existiert kein Verbrechen, das es (das Kapital) nicht riskiert …*)

Unternehmer versuchen mit den neuesten Forschungsergebnissen, auch mit Verstößen gegen bestehendes Recht und illegaler Vorgehensweise, ihren Profit um ein Vielfaches zu steigern. Der Präsident der waffenstrotzenden Supermacht, des Quasi-Polizeistaats USA, hat öffentlich den Krieg gegen Terroristen erklärt und verfolgt diese legal und illegal in allen Ländern. Amerika erwartet von seinen Kriegsgegnern ständig Terroranschläge, in der vorliegenden Story einen mit genmanipulierten Viren. Die Ermittlungen laufen unter strengster Geheimhaltung, damit die Menschen auf keinen Fall erfahren, wie sie bespitzelt, ausgetrickst und hintergangen werden.

Nur ein paar Jahre auf dem Gebiet der Gentechnik vorausgedacht, verknüpft mit der zwar noch versteckten, aber bereits real vorhandenen Macht kleiner Klicken von Superreichen, können schneller als erwartet Horrorvorstellungen der Menschen wahr werden: Sie (wer auch immer das sein wird) – werden – uns (den biologisch natürlich-normal gezeugten und aufgewachsenen Menschen) – ersetzen.

Wie bei Elsberg immer, lässt sich auch dieses Buch gut lesen, es ist spannend, trotz der teilweise sehr detaillierten Beschreibung der speziellen Gentechnik und der Arbeit der USA-Geheimdienste, der Polizei und sonstigen Sicherheitsbehörden.

Die Story wirkt beängstigend, weil fast jeder Leser sie in der Realität nachvollziehen kann. Die Gefahr liegt nicht in der Erforschung und Anwendung der Gentechnik, sondern darin, wie die von den Medien manipulierten Menschen und vom Geld abhängigen Politiker damit umgehen.

Die Verurteilung der verantwortungslosen Handlungsweise der Unternehmer durch den Autor ist deutlich, während er seine Kritik am Verhalten der US-Administration nur sehr vorsichtig formuliert.

Wir Menschen können auf keinen Fall sagen, dass wir diese Entwicklung nicht ahnen konnten, dass wir nicht gewusst haben, dass Unternehmer für Profit alles tun würden, denn das hat Marx mit seiner Schrift „Das Kapital“ bereits Ende des 19. Jahrhunderts glasklar formuliert und mit einem Zitat von P.J. Dunning (1860, s. Fußnote) auch für jeden verständlich formuliert. Das ist auch der einzige wesentliche Grund, weshalb Politiker und Medien in den westlichen kapitalistischen Ländern alles schlechtmachen und bekämpfen, was irgendwie an den Grundfesten dieses Systems rütteln könnte. Dazu dienen auch die Stasivorwürfe gegen unbeliebte, vorrangig politisch linksstehende Menschen, die Parole ‚die DDR war ein Unrechtsstaat‘ und anderes mehr, was in der Summe den Kommunismus zu einem Schreckgespenst für die Menschheit macht. Vor nicht ganz 100 Jahren, etwa 1930, kurz vor der Errichtung der faschistischen Diktatur, sahen viele Menschen das ganz anders, wie es Brecht in einem kleinen Gedicht formuliert hat: „…Die Ausbeuter nennen ihn (den Kommunismus) ein Verbrechen. Wir aber wissen: Er ist das Ende der Verbrechen. Er ist keine Tollheit, sondern das Ende der Tollheit. Er ist nicht das Chaos, sondern die Ordnung. Er ist das Einfache das schwer zu machen ist.“**)

Bewertung:

  1. Inhalt, Story (Faktor 1): Die Supermacht USA ermittelt unter strengster Geheimhaltung gegen Wissenschaftler von Firmen, die sich mit illegaler Forschung auf dem Gebiet der Gentechnik beschäftigen und gegen Menschen, die bereits mit speziellen Genomen gezeugt worden sind.

Bewertung: 5

  1. Der Sachverhalt (Faktor 1): Nur ein paar Jahre auf dem Gebiet der Gentechnik vorausgedacht, verknüpft mit der zwar noch versteckten, aber bereits real vorhandenen Macht der Superreichen, können schneller als erwartet Horrorvorstellungen der Menschen wahr werden: Sie – werden – uns – ersetzen.

Bewertung: 5

  1. Der Stil (Faktor 1) ist gut und nie langweilig, trotz der teilweise sehr detaillierten Beschreibung der speziellen Gentechnik und der sehr ausführlichen Arbeit der USA-Geheimdienste und Sicherheitsbehörden.

Bewertung: 4

  1. Handlungsorte sind ausreichend beschrieben, und insgesamt auch glaubhaft.

Bewertung: 4

  1. Subjektiver Eindruck des Rezensenten (Faktor 1, betrifft Humor, politische Richtung, Spaß oder Ärger beim Lesen, die Zeit vergeht nicht) Die Story wirkt beängstigend, weil fast jeder Leser sie in der Realität nachvollziehen kann. Die Gefahr liegt nicht in der Gentechnik, sondern darin, wie die von den Medien manipulierten Menschen und vom Geld abhängigen Politiker damit umgehen.

Bewertung: 5

  1. Kritische Aspekte zur existierenden Realität, zur Politik, zum Leben der Menschen und Hinweise zum Bessermachen (Faktor 1): Die vorsichtige Kritik des Autors ist gegen die von Milliardären beherrschte Supermacht USA und – schon etwas deutlicher – gegen die verantwortungslose Handlungsweise der Unternehmer gerichtet.

Bewertung: 4

Gesamtbewertung: 4

*) „Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv und waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens.“ (Fußnote Seite 451 in Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie; in Karl Marx, Friedrich Engels, Ausgewählte Werke in sechs Bänden; Dietz Verlag Berlin 1973

**) Brecht Gedicht ‚Lob des Kommunismus‘, vor 1933 verfasst; s. B. B. Gesammelte Werke 9; Gedichte 2, S. 463; (werkausgabe edition suhrkamp SV); Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. Main 1967

Buchtipp 54: H. Eckert ‚Wolfsspinne‘

Rezension zum 2016 erschienenen Roman ‚Wolfsspinne‘ von Horst Eckert

Inhalt:

Eisenach, 2011: Zwei Männer liegen tot in ihrem Wohnmobil. Sie waren Teil eines rechtsextremistischen Terror-Trios, das Deutschland Jahre lang unerkannt in Angst und Schrecken versetzt hat.

Aber was passierte wirklich? Ein Mann hat den „Nationalistischen Untergrund“ für den Verfassungsschutz beobachtet. Er kennt die Wahrheit. Doch er muss schweigen.

Jahre später ermittelt der Düsseldorfer Hauptkommissar Vincent Veih im Mordfall der Promiwirtin Melli Franck. Die Spur führt ins Drogenmilieu. Aber als weitere Morde geschehen, stößt Vincent auf eine Fährte, die in die Vergangenheit weist: zur „Aktion Wolfsspinne“, die eng mit dem NSU verknüpft ist…

Kritik: Der Schoß ist fruchtbarer, als je zuvor! *)

Eine bedrückende Thematik.  Das wird denjenigen Lesern noch deutlicher vor Augen treten, die auch die Romane von Volker Kutscher lesen, der in seinen Büchern von Kriminalfällen erzählt, die vor der Machtübernahme durch die Faschisten in Deutschland 1933, angesiedelt sind. Eckert zeigt auf, dass insbesondere die Geheimdienste nicht nur von rechten Kräften unterwandert sind, sondern schon von Grund auf eine undemokratische, reaktionäre, dem Einfluss rechter, zur Diktatur neigender Strömungen sehr offene Haltung, bevorzugen. Die sogenannten V-Leute kann rechts gerichtete Politik zudem wunderbar nutzen, um sich verdeckt oder geschickt getarnt, in undemokratische politische Vorgänge, in neofaschistische Bewegungen einzubringen. Im vorliegenden Kriminalfall werden die Ermittlungen der Polizei durch derartige Kräfte in den Führungspositionen von Polizei und Politik nicht nur behindert, sondern deren Aufklärung fast komplett verhindert.

Wenn man Eckerts Buch liest und sich gleichzeitig die reale gegenwärtige Welt vor Augen hält, dann scheint der Erfolg einer rechten Diktatur nicht mehr weit entfernt zu sein.

Die Medien bestimmen weitestgehend die politische Meinung in Deutschland. Wie kommt es also, dass derart viele Menschen sich einer rechten Bewegung, wie der AfD anschließen können? Der extremen rechten Politik, in Form des Faschismus, werden Millionen Tote im 2. Weltkrieg verziehen, aber den negativen (diktatorischen) Begleiterscheinungen der an sich menschenfreundlichen (keine Ausbeutung, keine Kriege) sozialistischen Realität nichts? Damit hält man den schärfsten Gegner des Neofaschismus so klein, dass er fast machtlos und damit unwirksam ist. Alle anderen Gegner rechtsgerichteter Politik sind leider zu sehr zersplittert und keiner gemeinsamen Handlung fähig.

Ich verstehe Eckerts Buch als ein Plädoyer für ein gemeinsames Handeln gegen rechts!

 

Bewertung:

  1. Inhalt, Story (Faktor 1): Die Jagd nach neofaschistischen Vielfach-Mördern und die Behinderung der Jagd durch Sympathieträger für rechte Politik in den Staatsorganen.

Bewertung: 5

  1. Der Sachverhalt (Faktor 1): Die Basis für den Thriller: Die Attentate des nationalsozialistischen Untergrunds – NSU.

Bewertung: 5

  1. Der Stil (Faktor 1) ist gut, wenn auch mitunter etwas langeilig durch die zu detaillierte Beschreibung der Polizeiarbeit.

Bewertung: 4

  1. Handlungsorte sind ausreichend beschrieben, und insgesamt auch glaubhaft.

Bewertung: 4

  1. Subjektiver Eindruck des Rezensenten (Faktor 1, betrifft Humor, politische Richtung, Spaß oder Ärger beim Lesen, die Zeit vergeht nicht) Die Story liest sich beängstigend, weil fast jeder Leser sie in der Realität spüren und nachvollziehen kann. Die Gefahr einer faschistischen Diktatur in Deutschland ist noch realistischer geworden, weil die AfD das Sprungbrett für eine Machtübernahme sein könnte.

Bewertung: 5

  1. Kritische Aspekte zur existierenden Realität, zur Politik, zum Leben der Menschen und Hinweise zum Bessermachen (Faktor 1): Die Kritik des Autors ist gegen die eher wohlwollende, als bekämpfende Politik der Regierenden gegen Neofaschismus, Rechtsextremismus und -radikalismus gewandt.

Bewertung: 5

Gesamtbewertung: 5

 

*) „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“ Zitat aus dem Theaterstück ‚Der unaufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui‘ von B-Brecht.