Was mir gefällt 3: Die Lust des Sexus

Die Lust des Sexus

Peter Hacks (1928-2003) lebte von 1951 bis 1955 als Schriftsteller in München. 1955 zog Hacks in die DDR und ließ sich mit Hilfe Brechts in Berlin nieder. Er begründete in den sechziger Jahren die ‚sozialistische Klassik‘ und gilt als einer der bedeutendsten Dramatiker der DDR. Hacks war der einzige deutsche Bühnenautor, dessen Stücke sowohl in der DDR als auch in der BRD oft gespielt wurden. Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe war sein größter Erfolg.

In Hacks Garten steht eine Priapos-Skulptur als unverhohlene Anspielung auf die Lust des Sexus und die Potenz des Dichters – der erigierte Penis des griechischen Fruchtbarkeitsgottes dabei in Richtung der Arbeitszimmers zeigend. Hacks hat ein Gedicht auf ihn verfasst:

AUF EINEN BRONZENEN GARTENGOTT VON SALOW

Priapos steht ohne Hosen
Zwischen Buchs und Hochstammrosen.
Seine Beine eine Stele,
Daß das Ornament nicht fehle.

Aber dann aus feisten Hoden
Überragt den Gartenboden
Unermüdlich seine Rute.
Damit segnet uns der Gute.

Unserm Gärtner, dem obläge,
Der Figur zum Zweck der Pflege
Ihre Wölbungen und Höhlen
Mit dem Lappen einzuölen,

Wirds, wenn er zur Mitte reinlich
Sorgend vordringt, immer peinlich.
In ihm schwillts zum Haß, zum fixen,
Einem Mann den Schwanz zu wichsen.

Und er hat sein Weib gebeten,
Ihn beim Wichsen zu vertreten.
Die, unangefochten fröhlich,
Reibt dem Gott die Eichel ölig.

Abends liegt sie noch wie schwebend,
Das Begebnis nacherlebend,
Leise zieht durch ihr Gemüt
Die Kontur von seinem Glied.

Aus: Konkret 04/98, S. 36

Peter Hacks

Jetztzeit

Rezension: Max Balladu ‚Ein Mensch 08-15?

Rezension zum 2018 erschienenen Roman von Max Balladu

‚Ein Mensch 08-15? – Die Biografie eines Ingeniörs‘

Kritik: Die einen sagen so…

Das Leben eines gewöhnlichen Menschen in Deutschland vom Alter Null bis fast Fünfundsiebzig wird in kleinen Geschichten erzählt. Es umfasst eine Zeit von 1943 bis 2018, d. h. 2. Weltkrieg, Spaltung Deutschlands in BRD und DDR, Wiedervereinigung. Thomas Prost verschlagen die Nachkriegsumstände vom ‚Kuhländchen‘ (Tschechien) nach Ostdeutschland und damit  von 1949-1990 in die DDR. Die Monate der politischen Wende nimmt er nicht nur bewusst wahr, sondern engagiert sich mit kleinen Beiträgen auf der untersten Ebene an den umwälzenden Veränderungen im Land. Danach nimmt ihn wieder die Arbeit in der Chemieanlage, nun unter kapitalistischen Voraussetzungen, voll in Anspruch.

Auch in diesem Buch bleibt Balladu sich treu, obwohl Prost, als eine seiner Hauptpersonen in den bekannten Romanen, stirbt, läßt er dessen, von ihm selbst auf Band gesprochenen Lebenslauf, in den Gesprächen seiner ehemaligen Kollegen analysieren. Das gibt ihm die Möglichkeit, die persönliche Betrachtung von Prost mehr oder weniger kritisch zu hinterfragen. Ich halte das für gut, zeigt es doch, dass der Autor weiß, wie schwer es ist, sich selbst einzuschätzen, zu charakterisieren und das man aus lebensnotwendig vorhandenem, gesunden Egoismus, sich selbst immer besser sehen möchte, als man tatsächlich ist. Egoismus dient ja in gewissem Grade dem Schutz des eigenen Ichs.

Dass alles in Form von kleinen Geschichten erzählt wird, ist nicht jedermanns Sache, während es wiederum anderen hilft, das relativ dicke Buch, leichter und vielleicht sogar mit Vergnügen zu lesen.

Die explizite Erwähnung der Chronik des Lebens von Thomas Prost ist wohl eine kleiner Hinweis, dass sie den roten Faden darstellen soll und die Geschichten doch mehr oder weniger fiktiven Charakter tragen können. Das um so mehr, je weiter sie vom eigenen Leben des Erzählers entfernt sind. Aber darauf hat der Autor auch ausdrücklich hingewiesen.

Bewertung:

  1. Inhalt, Story (Faktor 1): Das Leben eines Menschen von Null bis fast Fünfundsiebzig in kleinen Geschichten erzählt und etwas widergespiegelt durch Äußerungen ihm bekannter Menschen nach seinem Tod.

Bewertung: 5

  1. Der Sachverhalt (Faktor 1) umfasst das Leben eines Menschen von 1943 bis 2018, d. h. 2. Weltkrieg, Spaltung Deutschlands, DDR und BRD, Wiedervereinigung.

Bewertung: 4

  1. Der Stil (Faktor 1) ist flüssig, für manche, Biografien liebende zu belletristisch, für die anderen fast nie langweilig, was aus meiner Sicht durch die, in kleine Szenen verpackten Geschichten, möglich wurde.

Bewertung: 4

  1. Recherchen (Faktor 0,5) führen zu Fakten, insbesondere was die DDR anbetrifft, die überzeugen, auch wenn sie Widerspruch bei einigen Lesern hervorrufen werden.

Bewertung: 3

  1. Die Handlungsorte (Faktor 0,5) sind ausreichend beschrieben, obwohl Biografie Liebhaber sich gerade diesen Part wohl etwas ausführlicher gewünscht hätten.

Bewertung: 3

  1. Kritische Aspekte zur existierenden Realität, zur Politik, zum Leben der Menschen und Hinweise zum Bessermachen (Faktor 1): Das Verhalten des sich präsentierenden Menschen lässt problemlos auf seinen Standpunkt zur existierender Realität und Politik schließen. Es ist es ein Vorteil dieses Buchs, dass der Autor keine Lebensweisheiten von sich gibt und wenn überhaupt, dann sind es Thesen, die eben nur die individuelle Auffassung eines einzelnen Menschen darstellen und die jeder so interpretieren kann, wie es ihm gefällt.

Bewertung: 5

Summe der Bewertung: 4

Rezensionen von Anni Kloß zu Büchern von Max Balladu.

Als enge Freundin des Autors, habe ich es bisher vermieden meine Rezensionen zu seinen Büchern, auf dieser Webseite zu veröffentlichen. Ich habe mir zwar Mühe gegeben, nüchtern und sachlich zu urteilen, aber meine Sympathie für den Autor und dessen Bücher, konnte ich natürlich nicht so einfach abstellen.

Nachdem wir uns nochmals beraten haben, kamen wir zu dem Schluss, dass es dennoch richtig ist, diese Rezensionen hier, auf separaten Seiten, zu veröffentlichen.

Anni Kloß

Vorstellung der Autorin der Rezensionen und Gedichte

Anni Kloß

Mein Name ist Kloß, Anni Kloß.
Bin nur eins Zweiundsechzig groß.
Verzichte auf jede Schlankheitskur.
Das führte zu etwas fülliger Figur.annikloss
Doch für die Formen ist das günstig.
Sagen die Augen der Männer inbrünstig.
Etwas im Wege ist mir mein Temperament.
Unbedacht sprudeln Worte, die der andere nicht kennt.
Man riet mir aufs Reden ganz zu verzichten.
Na gut, dachte ich, fängst du eben an zu dichten.
Vor allem Verse sind’s die ich nun mache,
denn Reimen ist einfach und kommt schnell zur Sache.
Du stichst damit ins Wespennest bei den einen
Und bringst doch die anderen zum Lachen oder Weinen.
Fünf Männer gehören zu meinem Leben.
Von wegen es sollte nur einen geben.
Von der Sorte gab es sogar noch mehr.
Nur von den fünf geb ich keinen her.
Wellen rollen mit Getöse an den Strand.
Jahraus, jahrein bewegen sie den Sand.
Das Haar ist schon grau? – Grau.
Wie alt ist wohl die Frau?