Buchtipp 67: Thees Uhlmann, ‚Sophia, der Tod und ich‘

Rezension

zum 2015 erschienenen Roman von Thees Uhlmann, ‚Sophia, der Tod und ich‘

Inhalt:

Vor der Tür des Erzählers steht ein Mann, der ihm ähnlichsieht und behauptet, er sei der Tod und wolle ihn mitnehmen. Er habe noch ungefähr drei Minuten zu leben. Da dessen Exfreundin dazwischen kommt, beginnt ein spektakulärer Roadtrip. Gemeinsam mit seiner Exfreundin Sophia und dem Tod macht sich der Erzähler auf den Weg zu seiner Mutter und zu seinem sieben Jahre alten Sohn, den er seit Ewigkeiten nicht gesehen hat, dem er aber Tag für Tag eine Postkarte schreibt.

Autor:

Thees Uhlmann, geboren 1974 in Hemmoor bei Cuxhaven, ist Musiker und Autor. Mit seiner Band Tomte und als Solokünstler feiert er große Erfolge, sein neues Album erscheint im Januar 2018. ‚Sophia, der Tod und ich‘ ist sein erster Roman. Uhlmanns Debüt begeisterte Kritik und Publikum, wurde fürs Theater adaptiert, ins Niederländische und Französische übersetzt und wird demnächst fürs Kino verfilmt. Thees Uhlmann arbeitet an seinem zweiten Roman.

Kritik: Ein Gespräch mit dem Tod als humorvoll-nachdenkliche Anregung.

Ein Buch, das mich nach langer Zeit, wieder fesseln konnte.

Ich hätte gern noch weitergelesen, aber leider hat das Buch nur 318 Seiten. Klug vom Autor, nicht in Schwafelei zu verfallen.

Das Buch regte mich zu individuellen Gedanken an, nicht ohne Freude und Lust, sogar über den eigenen Tod nachzudenken.

Die Mehrzahl der handelnden Personen haben einen guten, menschlichen Charakter. Sogar der Tod ist sympathisch. Das finde ich auch richtig, denn er gehört eben zum Leben dazu, auch wenn er es beendet.

Wilhelm Busch sagt dazu: ‚Kein Leugnen hilft, kein Widerstreben, wir müssen sterben, weil wir leben.‘

Ich kann und will über die Story auch nicht lange lamentieren, es ist einfach ein gutes Buch, das man lesen und genießen sollte.

Bewertung:

  1. Inhalt, Story (Faktor 1): Der Tod begleitet ungewollt, sein Opfer durch dessen letzte Lebensstationen.

Bewertung: 4

  1. Der Sachverhalt (Faktor 1): Nur der Tod ist fiktiv, fast alles andere reale Handlung.

Bewertung: 4

  1. Der Stil (Faktor 1) unterscheidet sich nur unwesentlich von dem, anderer Romane, das Buch ist spannend und läßt sich gut lesen.

Bewertung: 4

  1. Recherchen (Faktor 0,5): sind nicht maßgebend, aber okay.

Bewertung: 3

  1. Die Handlungsorte (Faktor 0,5) sind ausreichend glaubhaft beschrieben.

Bewertung: 3

  1. Kritische Aspekte zur existierenden Realität, zur Politik, zum Leben der Menschen und Hinweise zum Bessermachen (Faktor 1): Regt Eltern zum Nachdenken über ihre Haltung zu Kindern an und den einzelnen Menschen dazu, über sein Leben und Sterben nachzudenken.

Bewertung: 4

Summe der Bewertung: 4

 

Balladu veröffentlicht sein 7. Buch

Mit seinem 7. Buch hat Max Balladu den 2. Teil der Messwartengeschichten unter dem Titel:

‚Alltagswahnsinn oder Einem Ingeniör ist nichts zu schwör‘

 veröffentlicht.

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 Wie bereits bei den vorherigen Romanen stellt der Autor das neue Buch in zwei

öffentlichen Buchlesungen vor:

  1. Termin:  Mittwoch der  18. 10. 2017 um 19:00 Uhr
  2. Termin:  Mittwoch der  25. 10. 2017 um 19:00 Uhr

Beide Veranstaltungen finden traditionsgemäß in der

Gasstätte ‚Zur Alten Scheune‘ in Bennstedt,

statt.

Inhalt der Lesung:

4 Vierzeiler Teil 1

  1. Lesung Kap.22 HCl im VC und die Zeit der Wende 1989/90

4 Vierzeiler Teil 2

  1. Lesung Kapitel 22 Unsterblich

4 Vierzeiler Teil 3

  1. Lesung Kap 33 Einem Ingeniör …; Brand in VC-Kolonne

4 Vierzeiler Teil 4

  1. Lesung Kap. 35 Der Tod und kleinere Katastrophen

Gedicht Alltag

Anschließend Buchverkauf mit und ohne Signierung:

Das neue Buch:

‚Alltagswahnsinn‘ Teil 2  kostet  14,99 €

Also genau so viel, wie der 1. Teil

Wer an der Lesung nicht teilnehmen kann, aber ein Buch mit oder ohne Signierung direkt vom Autor kaufen möchte, schickt einfach eine E-Mail an Max Balladu (der(ad)mensch0815.de) und bekommt das Buch portofrei zugeschickt.

 Der Kauf direkt vom Autor hilft Max Balladu die Eigenkosten zu minimieren.

Buchtipp 66: Karl Olsberg, ‚Mirror‘

Rezension zum 2016 erschienenen Roman von Karl Olsberg, ‚Mirror‘

Inhalt:

Dein Mirror kennt dich besser als du selbst.

Er tut alles, um dich glücklich zu machen.

Ob du willst oder nicht.

Wie digitale Spiegelbilder wissen Mirrors stets, was ihre Besitzer wollen, fühlen, brauchen. Sie steuern subtil das Verhalten der Menschen und sorgen dafür, dass jeder sich wohlfühlt. Als die Journalistin Freya bemerkt, dass sich ihr Mirror merkwürdig verhält, beginnt sie sich zu fragen, welche Macht diese Geräte haben. Dann lernt sie den autistischen Andy kennen und entdeckt, dass sich die Mirrors immer mehr in das Leben ihrer Besitzer einmischen – auch gegen deren Willen. Als sie mit ihrem Wissen an die Öffentlichkeit geht, hat das unabsehbare Folgen …

Autor:

Karl Olsberg promovierte über Anwendungen Künstlicher Intelligenz. Er war Unternehmensberater, Marketingdirektor eines TV-Senders, Geschäftsführer und erfolgreicher Gründer mehrerer Start-ups. Heute arbeitet er als Schriftsteller und Unternehmer und lebt mit seiner Familie in Hamburg.

Kritik: Von Natur aus Optimist?

Wenn man als Durchschnittsmensch auch mit der Entwicklung der Technik, insbesondere mit der, der Kommunikation, mithalten will, dann lohnt es sich doppelt, dieses Buch von Olsberg zu lesen. Die unterhaltsame und spannende Story ermöglicht es dem Autor die modernsten Kommunikationsmöglichkeiten und deren positive als auch vielleicht noch gravierender, deren negative Auswirkungen auf den Menschen bildlich darzustellen.

Eine Journalistin als Hauptperson kann uns die Möglichkeiten zeigen, wie auch heute noch unangenehme Wahrheiten veröffentlicht werden können, allerdings verbunden mit der akuten Gefahr in den sozialen Netzwerken verrissen, verunglimpft und sogar auf primitivste Weise beschimpft zu werden, weil insbesondere die mit der neuen Technik verbundenen Möglichkeiten der Wahrheitsgegner alles Negative öffentlich machen können. Schon das kann dem Autor arg zu schaffen machen. Wenn jedoch diese Kräfte konzentriert durch eine Hand gesteuert werden, können diese für den Autor tödlich wirken.

Facebook lieferte dem Autor Olsberg hierfür offensichtlich viele gute Beispiele.

Das Buch ist eine Warnung, mit dickem Ausrufungszeichen, vor der Verwendung unausgereifter, vielleicht auch fragwürdiger Technik. Der extra Hinweis auf die außerordentliche Gefahr für die Menschheit bei der Verwendung dieser Technik durch das Militär ist zwar nur im Epilog enthalten, aber dort sehr deutlich formuliert und in diesem Falle gar nicht optimistisch, aber dadurch umso nachhaltiger auf den Leser wirkend.

Bewertung:

  1. Inhalt, Story (Faktor 1): Der Rahmen einer spannenden Geschichte ermöglicht es dem Autor fesselnd und unterhaltend, die Möglichkeiten der derzeitigen, und noch vielmehr der zukünftig zu erwartenden Kommunikationsmöglichkeiten zu durchleuchten und hilft den normalen Konsumenten dieser Technik diese auch zu verstehen.

Bewertung: 4

  1. Der Sachverhalt (Faktor 1): Die Möglichkeiten einer Journalistin unangenehme Wahrheiten zu veröffentlichen und die wütende Reaktion der Andersdenkenden danach.

Bewertung: 3

  1. Der Stil (Faktor 1) ist sehr gut, das Buch ist spannend und läßt sich ausgezeichnet lesen.

Bewertung: 4

  1. Recherchen (Faktor 0,5): sind hervorragend, weil der Autor sich offensichtlich gut in dem Metier auskennt.

Bewertung: 5

  1. Die Handlungsorte (Faktor 0,5) sind glaubhaft beschrieben.

Bewertung: 3

  1. Kritische Aspekte zur existierenden Realität, zur Politik, zum Leben der Menschen und Hinweise zum Bessermachen (Faktor 1): Das Buch ist eine Warnung mit dickem Ausrufungszeichen vor der Verwendung unausgereifter, vielleicht auch fragwürdiger Technik. Mit einem extra Hinweis auf die außerordentliche Gefahr für die Menschheit bei der Verwendung dieser Entwicklungen durch das Militär.

Bewertung: 4

Summe der Bewertung: 4

 

Buchtipp 64: Julie Zeh, ‚Unterleuten‘

Rezension zum 2017 erschienenen Roman von Juli Zeh, ‚Unterleuten‘

Inhalt:

Manchmal kann die Idylle auch die Hölle sein. Wie das Dorf ‚Unterleuten‘ irgendwo in Brandenburg. Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten, von den kleinen Häusern, die sich Stadtflüchtlinge aus Berlin gerne kaufen, um sich den Traum von einem unschuldigen und unverdorbenen Leben außerhalb der Hauptstadthektik zu erfüllen. Doch als eine Investmentfirma einen Windpark in unmittelbarer Nähe der Ortschaft errichten will, brechen Streitigkeiten wieder auf, die lange Zeit unterdrückt worden waren. Denn da ist nicht nur der Gegensatz zwischen den neu zugezogenen Berliner Aussteigern, die mit großstädtischer Selbstgerechtigkeit,  Arroganz und wenig Sensibilität für Reibungen sorgen, da ist auch der nach wie vor untergründig schwelende Konflikt zwischen Nutznießern und Verlierern nach der Wende. Kein Wunder, dass im Dorf schon bald die Hölle los ist …

 

Kritik: Der Marktwert des Menschen.

Die Charakterisierung der Menschtypen auf dem brandenburgischen Land ist Zeh gut gelungen.

Wenn ein Autor über den Osten Deutschlands schreibt, und die Handlung sowohl in Zeiten der DDR als der BRD stattfindet, dann merkt man schnell, ob der (die) Schreiber(in) aus dem Westen oder Osten kommt. Zeh ist eindeutig Wessi und sie kann den Menschen nach seinem Marktwert einsortieren: z. B. Seite 37: Die 16-jährige Linda denkt von ihrem, 2 Klassen über ihr liegenden Schulkameraden: „…, obwohl sein Marktwert erheblich unter ihren lag…“ (S. 214 „Wenn man zum Beispiel herausfinden wollte welchen Marktwert man in einem Öko-Haushalt besaß.“).

Nachträglich begreife ich, dass uns, also die DDR-Menschen, die Wessis damals genau so gesehen haben: Menschen unter dem Marktwert jedes Bundesbürgers. Ossis konnten also allein durch das Abhauen in den Westen ihren Marktwert erheblich steigern?

Außerdem ist aus meiner Sicht typisch für Wessis: Sie sind überzeugt davon, dass, wenn überhaupt, nur die Familien zusammenhalten.  Dass Freunde besser als Familie sein könnten, wird nicht einmal im Ansatz erwähnt. Und doch ist es so, sagen mir meine Erfahrungen.

Seite 296 sagt der Wessimann Fließ: ‚Schatz, geh in den Keller und hol mir die Taschenlampe.‘ Die Gleichberechtigung der Frau in der DDR war der im Westen weit voraus, sicherlich auch auf dem Dorf im Brandenburgischen.

Resümierend muss ich konstatieren, dass bei mir der Eindruck entstanden ist, dass Zeh  was gegen Männer hat!? Der promovierte Mann Fließ liebt (vergöttert?) seine 20 Jahre jüngerer Frau, während sie das Verhältnis sehr sachlich sieht, weil sie nur mit schwacher Liebe in die Ehe gegangen ist. Die Pferdefrau (Linda), auch eine Zugezogene, wird von ihrem fast gleichaltrigen Manne bedingungslos geliebt, aber sie selbst ist nur die engagierte, nüchterne, zwar Sex genießende, aber sonst fast gefühllose Macherin? – Wolfi (schon der Name sagt viel) ist sowohl als Dichter als auch Mann nur eine Pfeife, ein Versager. Die im Gegensatz dazu aktiven, handelnden, starken, also tonangebenden, einheimischen Männer sind fett, brutal oder beides und brüllen gern. Trotzdem passt einer der fetten durch eine 80 cm große Öffnung?

Scheinbar liebt Zeh starke Frauen. Haben die Menschen im Roman deshalb so wenig Sex in ihrem Leben? Oder hat auch die Autorin nicht viel Sinn für Sex? (Meine Erfahrung sagt: Viele Menschen, im Alter zwischen 16 und 70, haben in ihrem Leben mindesten 1x  pro Tag  Sex.)

Der Umgang mit Tieren charakterisiert auch den Menschen. In Unterleuten hat es wohl, außer Hunden und Katzen, keine Tiere gegeben.

Der Roman sagt vieles über die Menschen auf dem Lande, doch alles wird auch immer wieder in Frage gestellt, denn die Basis des Romans sind Lügen, Verschlagenheit, Abhängigkeiten und Beziehungen. Das sagt auch die Weisheit auf Seite 503: ‚Was heißt es erwachsen zu werden? Die Antwort lautet: Den größtmöglichen und zugleich unvermeidlichen Verrat zu begehen.‘

Auch wenn sich Zeh hinter dem von ihr kreierten Manfred Gortz (eigentlich ein pfiffiger Gedanke) versteckt, klingt die Autorin mit ihren Weisheiten (S. 214: ‚Wer sitzt wird zurückgelassen‘ oder ‚Macht ist die Antwort auf die Frage, wer wen bewegt‘ oder nicht von Gortz zitiert: ‚Rauchen gehört zu den Dingen, die man können muss, aber nicht müssen darf‘) ziemlich schräg, um nicht zu sagen falsch, einseitig dramatisch oder man könnte es auch, bezogen auf das Alter der Autorin, schlicht und einfach als – altklug- bezeichnen.

Bewertung:

  1. Inhalt, Story (Faktor 1): Das Buch erzählt über Menschen und deren Konflikte in einem, in der ehemaligen DDR gelegenen Ort vor und nach der Wiedervereinigung.

Bewertung: 3

  1. Der Sachverhalt (Faktor 1): Eine feingliedrige Charakterisierung der Menschtypen auf dem brandenburgischen Land.

Bewertung: 3

  1. Der Stil (Faktor 1) ist sehr gut, der Roman läßt sich leicht lesen, auch wenn 300 statt 500 Seiten genügt hätten, ohne dass dadurch inhaltliche Substanz verloren gegangen wäre.

Bewertung: 4

  1. Recherchen (Faktor 0,5): Sind vielleicht etwas einseitig, weil es so scheint, als hätte die Autorin die Verhältnisse nur aus ihrer Sicht rückblickend interpoliert.

Bewertung: 3

  1. Die Handlungsorte (Faktor 0,5) sind glaubhaft beschrieben, bis auf die im Dorf fehlenden Tiere.

Bewertung: 3

  1. Kritische Aspekte zur existierenden Realität, zur Politik, zum Leben der Menschen und Hinweise zum Bessermachen (Faktor 1)*): Wenn ein Autor heutzutage die guten Seiten der DDR nicht beschreiben will, darf oder soll, oder sie ganz und gar nicht kennt, dann fällt die Kritik natürlich sehr einseitig aus. Alle Menschen für schlecht zu erklären – also mit den Worten von Zeh, den größtmöglichen und zugleich unvermeidlichen Verrat an ihnen zu begehen – ist wohl auch eher eine dichterische Schnorre als eine Kritik, also nichts, was den Menschen irgendwie weiterhelfen könnte.

Bewertung: 2

Summe der Bewertung: 3

*) Wahrscheinlich bin ich bezüglich dieses Punktes, trotz meines Alters, immer noch zu naiv, denn gerade bei den am häufigsten prämierten Autoren, fällt es mir oft sehr schwer, auch nur im Ansatz etwas zu diesem Punkt sagen zu können.

Buchtipp 61: Chirovici, E. O.; ‚Das Buch Der Spiegel‘

Buchtipp zum 2017 erschienen Roman, ‚Das Buch Der Spiegel‘ von ‚Chirovici, E. O.

Inhalt:

Als der Literaturagent Peter Katz ein Manuskript des Autors Richard Flynn erhält, ist er sofort fasziniert. Flynn schreibt über die Ermordung des Professors Joseph Wieder in Princeton. Der Fall wurde nie aufgeklärt, und Katz vermutet, dass der unheilbar kranke Flynn den Mord gestehen oder den Täter enthüllen wird. Doch Flynns Text endet abrupt. Als Katz den Autor kontaktieren will, ist dieser bereits verstorben. Besessen davon, das Ende der Geschichte zu erfahren, versucht Katz, Laura Baines ausfindig zu machen, die als Studentin auf undurchsichtige Weise mit Wieder verbunden war. Doch je tiefer Katz in den Fall eindringt, desto mehr scheint er sich von der Lösung zu entfernen ….

Kritik: Erinnerung ist Wahrheit und/oder Dichtung?

Der Anfang des Romans war langweilig und ich empfand ihn, wie eine Reklame für Raucher. Ersteres wiederholte sich leider des Öfteren.

Eine interessante psychologische These weckte mich aus der ermüdenden Beschreibung alltäglicher Vorgänge: ‚Die Erinnerung an bestimmte Vorgänge in der Kindheit sind möglicher Weise keine eigenen Gedanken, sondern wiederspiegeln nur das, was z. B. die Eltern oder Geschwister im Kreise der Familie immer wieder erzählt haben.‘ Zur Fortsetzung dieses Gedankens zitiert der Autor auf Seite 83 Julian Barnes: ‚Wenn wir jung sind, erfinden wir verschiedene Zukünfte für uns selbst, wenn wir alt sind, erfinden wir verschiedene Vergangenheiten für andere.‘ Außerdem zitiert er Seite 225 einen großen französischen Schriftsteller, ohne dessen Namen zu nennen: ‚Erinnerung an Vergangenes ist nicht unbedingt Erinnerung an wirklich Geschehenes.‘

Wenn ein Autor das Wort Genie benutzt, werde ich sofort skeptisch, denn auf lebende oder gerade erst verstorbene Professoren trifft das wohl nie zu. Logisch bleibt der Autor den Beweis hierfür auch schuldig.

Der Streit um die Nennung des Namens der Mitarbeiterin des Professors auf der Titelseite von dessen Buch lässt diese angeblich geniale Figur des Romans kleinlich wirken und der Autor verrät fehlende Sachkenntnis. Beruft sich der Verfasser einer Schrift oder eines Buches auf Werke von anderen, dann muss er das als Literaturquelle exakt festhalten, verwendet er sogar ganze Kapitel, dann sollte dieser Name wohl als Mitautor genannt werden. Macht er das nicht, dann ist das sogenannte Genie ein Betrüger, oder, wie das in diesen Fällen heute eher genannt wird, ein Plagiator, definitiv.

Statt 230 Seiten hätten auch 115 gereicht, denn die Story wird quasi zweimal erzählt, und im letzten Abschnitt der Aufklärung des Verbrechens teilweise zum dritten Mal wiederholt. Vielleicht war das aber auch nur ein geschickter Trick, um aus dem, letztendlich doch relativ überschaubarem kriminellen Geschehen, einen Roman zu machen.

Bewertung:

  1. Inhalt, Story (Faktor 1): Eine vorgeblich spektakuläre Kriminalgeschichte soll die Spannung aufrechterhalten.

Bewertung: 2

  1. Der Sachverhalt (Faktor 1): Die Ermittlungen zu einem Mord werden auf ungewöhnliche Art angestoßen, aber eigentlich auf normale Weise aufgeklärt.

Bewertung: 2

  1. Der Stil (Faktor 1) ist gut, aber streckenweise auch langweilig, so dass es sogar passieren kann, dass man über dem Buch einschläft.

Bewertung: 3

  1. Recherchen (Faktor 0,5) Die Story spielt in den USA und ist daher nicht so leicht nachzuprüfen, ruft aber keinen Widerspruch beim Leser hervor.

Bewertung: 3

  1. Die Handlungsorte (Faktor 0,5) sind glaubhaft beschrieben (s. Punkt4)

Bewertung: 3

  1. Kritische Aspekte zur existierenden Realität, zur Politik, zum Leben der Menschen und Hinweise zum Bessermachen (Faktor 1): Aussagen dazu hat der Autor bewusst oder unbewusst vermieden. Der Inhalt hat nach meiner Meinung wenig Wert.

Bewertung: 1

Summe der Bewertung: 2