Balladus neuestes Buch ‚Lose Blätter‘

Hallo liebe Lesefreunde! 

Mit dem 9. Buch veröffentlicht Max Balladu als Herausgeber eine Anthologie unter dem Titel: 

‚Lose Blätter‘ 

eine Blütenlese mit Erzählungen und Gedichten von: 

EWa, Jörg Körner, Anni Kloß, Mimi H, Heiz Schubert, Helene Paetz und Max Balladucover-buch9-lose-blaetter-rev3

 Wie bereits bei den vorherigen Lesungen stellt in diesem Falle der Herausgeber das neue Buch in zwei öffentlichen Buchlesungen vor: Lesung-buch9

Inhalt:

  1. Lesung ‚Aller Anfang ist schwer‘

Gedicht A. Kloß ‚Revolution auf ostdeutsch‘

  1. Lesung Ewa ‚Weggefährten (1)‘

Gedicht Helene Paetz ‚Trag dein Leid‘

  1. Lesung Körner ‚Sittenstrolch‘ 

Gedicht Mimi H Der Zukunftsträger

  1. Lesung Balladu ‚Kreis‘ (oder Altersheim)

Gedicht Kloß ‚Schweigen‘ (oder Schubert Herbstlied)

 

Es können auch Bücher von Balladu erworben werden.

 

 

 

Gegen Verführung

Laßt Euch nicht verführen!
Es gibt keine Wiederkehr.
Der Tag steht in den Türen,
ihr könnt schon Nachtwind spüren:
Es kommt kein Morgen mehr.

Laßt Euch nicht betrügen!
Das Leben wenig ist.
Schlürft es in vollen Zügen!
Es wird Euch nicht genügen,
wenn Ihr es lassen müßt!

Laßt Euch nicht vertrösten!
Ihr habt nicht zu viel Zeit!
Laßt Moder den Erlösten!
Das Leben ist am größten:
Es steht nicht mehr bereit.

Laßt Euch nicht verführen
Zu Fron und Ausgezehr!
Was kann Euch Angst noch rühren?
Ihr sterbt mit allen Tieren
und es kommt nichts nachher.

Bertolt Brecht

‚Die Tage‘ -Ein Gedicht?

Die Tage

von Anni Kloß*)

Die Politik wird nicht mehr gemacht,
sondern fortgesetzt. Das Unsoziale
ist alltäglich geworden. Der Experte
peppt die Großversager auf. Der Schwache
wird in die Gosse gedrückt.
Der Frack des Armen ist die Geduld,
die Beschwichtigung der Mindestlohn
und Almosen für die übrigen
ohne Hoffnung über dem Herzen.

Sie werden vergeben,
wenn nichts anderes mehr geht,
wenn Arbeit unsichtbar geworden ist
und der Schatten der Aussichtslosigkeit
den Himmel bedeckt.

Sie werden vergeben
für die Flucht von der Straße,
für die dumme Tapferkeit im Ertragen der Pein,
für den Verrat an den Aufmüpfigen
und die Nichtachtung
des Aufrufs zur Gegenwehr.

*) angeregt durch ein Gedicht von I. Bachmann

Was mir gefällt 3: Die Lust des Sexus

Die Lust des Sexus

Peter Hacks (1928-2003) lebte von 1951 bis 1955 als Schriftsteller in München. 1955 zog Hacks in die DDR und ließ sich mit Hilfe Brechts in Berlin nieder. Er begründete in den sechziger Jahren die ‚sozialistische Klassik‘ und gilt als einer der bedeutendsten Dramatiker der DDR. Hacks war der einzige deutsche Bühnenautor, dessen Stücke sowohl in der DDR als auch in der BRD oft gespielt wurden. Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe war sein größter Erfolg.

In Hacks Garten steht eine Priapos-Skulptur als unverhohlene Anspielung auf die Lust des Sexus und die Potenz des Dichters – der erigierte Penis des griechischen Fruchtbarkeitsgottes dabei in Richtung der Arbeitszimmers zeigend. Hacks hat ein Gedicht auf ihn verfasst:

AUF EINEN BRONZENEN GARTENGOTT VON SALOW

Priapos steht ohne Hosen
Zwischen Buchs und Hochstammrosen.
Seine Beine eine Stele,
Daß das Ornament nicht fehle.

Aber dann aus feisten Hoden
Überragt den Gartenboden
Unermüdlich seine Rute.
Damit segnet uns der Gute.

Unserm Gärtner, dem obläge,
Der Figur zum Zweck der Pflege
Ihre Wölbungen und Höhlen
Mit dem Lappen einzuölen,

Wirds, wenn er zur Mitte reinlich
Sorgend vordringt, immer peinlich.
In ihm schwillts zum Haß, zum fixen,
Einem Mann den Schwanz zu wichsen.

Und er hat sein Weib gebeten,
Ihn beim Wichsen zu vertreten.
Die, unangefochten fröhlich,
Reibt dem Gott die Eichel ölig.

Abends liegt sie noch wie schwebend,
Das Begebnis nacherlebend,
Leise zieht durch ihr Gemüt
Die Kontur von seinem Glied.

Aus: Konkret 04/98, S. 36

Peter Hacks

Jetztzeit

Anni Kloß

Vorstellung der Autorin der Rezensionen und Gedichte

Anni Kloß

Mein Name ist Kloß, Anni Kloß.
Bin nur eins Zweiundsechzig groß.
Verzichte auf jede Schlankheitskur.
Das führte zu etwas fülliger Figur.annikloss
Doch für die Formen ist das günstig.
Sagen die Augen der Männer inbrünstig.
Etwas im Wege ist mir mein Temperament.
Unbedacht sprudeln Worte, die der andere nicht kennt.
Man riet mir aufs Reden ganz zu verzichten.
Na gut, dachte ich, fängst du eben an zu dichten.
Vor allem Verse sind’s die ich nun mache,
denn Reimen ist einfach und kommt schnell zur Sache.
Du stichst damit ins Wespennest bei den einen
Und bringst doch die anderen zum Lachen oder Weinen.
Fünf Männer gehören zu meinem Leben.
Von wegen es sollte nur einen geben.
Von der Sorte gab es sogar noch mehr.
Nur von den fünf geb ich keinen her.
Wellen rollen mit Getöse an den Strand.
Jahraus, jahrein bewegen sie den Sand.
Das Haar ist schon grau? – Grau.
Wie alt ist wohl die Frau?

Was mir gefällt – 2

Siebentes Lied des Glücksgotts

Lieder aus ‚Die Reisen des Glücksgotts‘

Von Bertolt Brecht

Freunde, wenn ihr euch mir verschreibt
Und das könnte sich lohnen
Wißt, daß ihr dann nicht geduldet bleibt
Mehr in den höheren Regionen!

Wenn die Götter von Ruf und Stand
Haben auf alle Fälle
Mich kleinen dicken endgültig verbannt
In die Schweineställe.

Und noch kein Pfäfflein mit Selbstrespekt
Hat mich je seinen Kunden empfohlen
Wer sich nur einmal wollüstig streckt
Wird sofort zur Beichte befohlen.

Wer meiner Weine gedenkend schmatzt
Wer zum Bett ein Polster fordert
Wer an bestimmten Stellen sich kratzt
Wird aus der Stube der Guten beordert.

Wen ein gelungener Hintern entzückt
Was sind dem die frühesten Metten?
Wer sich so tief zum Irdischen bückt
Der ist schon nicht mehr zu retten.

Und ein Stück Fleisch und Dach überm Kopf
Ist der Mensch etwa dazu geboren?
Gutes Leben? Dem niedrigen Tropf
Wird vom Himmel Rache geschworen.

Schon ein Lächeln kann mißliebig sein
Ein Gelächter ist immer verdächtig!
Wer nicht nach Sternen langt, ist ein Schwein
Wer da lacht, der ist niederträchtig.

Ich bin der Gott der Niedrigkeit
Der Gaumen und der Hoden
Denn das Glück liegt nun einmal, tut mir leid
Ziemlich niedrig am Boden.

Geschrieben 1941-1947

Was mir gefällt.

Empfehlung eines langen, weiten Rocks

Von Bertolt Brecht

Und wähl den bäuerlichen weiten Rock
Bei dem ich listig auf die Länge dränge:
Ihn aufzuheben in der ganzen Länge
An Schenkeln hoch und Hintern, gibt den Schock.
Und wenn du hockst auf unserer Ottomane
Laß ihn verrutschen, dass in seinem Schatten

Durch den Tabakrauch wichtiger Debatten
Dein Fleisch mich an die gute Nacht ermahne.

Doch sind es nicht nur niedere Gelüste
Die mich nach solchem Rocke schreien lassen:
Du gehst darin schön wie einst durch Kolchis Gassen
Medea, als den Korb sie meerwärts trug. -
Doch wenn ich deine andern Gründe wüsste:
Wähl solchen Rock! Die niedern sind genug.