Anni Kloß

Die Autorin der Rezensionen und Gedichte

Anni Kloß

Mein Name ist Kloß, Anni Kloß.
Bin nur eins Zweiundsechzig groß.annikloss
Verzichte auf jede Schlankheitskur.
Das führte zu etwas fülliger Figur.
Doch für die Formen ist das günstig.
Sagen die Augen der Männer inbrünstig.
Etwas im Wege ist mir mein Temperament.
Unbedacht sprudeln Worte, die der andere nicht kennt.
Man riet mir aufs Reden ganz zu verzichten.
Na gut, dachte ich, fängst du eben an zu dichten.
Vor allem Verse sind’s die ich nun mache,
denn Reimen ist einfach und kommt schnell zur Sache.
Du stichst damit ins Wespennest bei den einen
Und bringst doch die anderen zum Lachen oder Weinen.
Fünf Männer gehören zu meinem Leben.
Von wegen es sollte nur einen geben.
Von der Sorte gab es sogar noch mehr.
Nur von den fünf geb ich keinen her.
Wellen rollen mit Getöse an den Strand.
Jahraus, jahrein bewegen sie den Sand.
Das Haar ist schon grau? – Grau.
Wie alt ist wohl die Frau?

14.12.2016

Wer möchte nicht gern ein Autor sein?

Faustregel für zukünftige Dichter

80 Millionen Menschen leben in Deutschland.
70 Millionen davon haben schreiben gelernt.
30 Millionen glauben schreiben zu können.
10 Millionen können schreiben.
1 Million versucht das Geschriebene zu veröffentlichen.
100 Tausend Neuveröffentlichungen pro Jahr, die von
10 Tausend freien Autoren verfasst wurden.
100 Autoren können von ihrer Schreiberei leben.
Balladi, Ballado, Ballada und Balladu gehören nicht dazu.

Oder dasselbe etwas lyrischer formuliert:

Möcht so gern ein Dichter sein

Werbung für die (noch) unbekannten Dichter
 Ballade von der unbekannten Anni Kloß

Einmal im Jahr ist ein Dichter der Gott.
Von unten merkt man es nicht gleich.
Das Buch, ein Preis und Medienrummel – flott,
Macht Leser blind, den Dichter stolz, Verlage reich!

Dichter genieß es. Schnell kommt er zurück – der Trott.
Balladi, Ballada und Balladott.

Die Jury lobt das Buch in höchsten Tönen.
Die Leser staunen, zweifeln ein wenig, aber kaufen.
Freun sich im Voraus, hörn sich schon stöhnen.
Wird besser als Sex? – Oder doch nur – Haare raufen?

Der Dichter wird zum Medium.
Balladu, Ballada und Balladum.

Zuerst wird der Klappentext studiert.
Das klingt ziemlich gut, doch weiß man es schon?
Schnell wird begonnen und – gleich wird alles ruiniert?
Von Anfang an stört – die befremdende Interpunktion.

Der Leser runzelt die Stirn, blättert grübelnd weiter.
Ballado, Balladi und Balladeiter.

Was les ich da? – Ist das auch richtig?
Warum rauchen alle? Fast sieht man die Schwaden.
Ist Qualm für die Handlung so wichtig?
Die Story wird löchrig. Es reißt der zweite Faden.

Dichters Freiheit auch Unsinn gestattet.
Balladu, Ballada und Balladattet.

Und doch liest man weiter, denkt an das Jurylob.
Das kommt noch, es wird schon, gleich kann man es sehn?
Gut formuliert, und doch schwer verständlich, – sogar grob.
Ist das das Besondere? – Die Lust wird vergehn.

Früher lehrten Dichter die Menschen das Leben.
Balladi, Ballado und Balladeben.

Die Story wird dürftig, die Aussagen fad.
Das Urteil der Jury wandert ins Grab.
Die Vorschusslorbeeren stimulieren weiter den Verkauf.
Der Leser reißt vergeblich die Augen auf.

Auch Dichterruhm ist nur noch Schall und Rauch.
Ballada, Balladu und Balladauch.

Es liegt auf der Hand, dass fast jeder denkt:
Das geht doch viel besser. Und –  das kann ich auch.
Man pfeift auf die Jury. Das falsche Lob – geschenkt.
Bescheidenheit war – ist – bleibt ein guter Brauch.

So steht man fest am Boden, wird nie überheblich.
Ballado, Balladi und Balladeblich.

Der Verlage falschen Glorienschein verdichtet
Superbunt gefärbte Kritik. Sie klingt durchweg gediegen.
Und doch sind sie nur auf Profit ausgerichtet.
Das Buch – im Selbstverlag – wird todgeschwiegen.

Die Mauer steht. Wie bringt man sie zum Fallen?
Balladu, Ballada und Balladallen?

Seit dennoch mutig, schreibt euren Text.
Seid kritisch, prüft, checkt Absagen und Angebote.
Bezahlt nie fürs Verlegen. Und werdet ihr noch so behext!
Der Autorenüberschuss lockt Betrüger wie Kojoten.

Die Absahner lauern überall in unserem Land.
Ballado, Balladi und Balladant.

Möcht so gern ein Dichter sein! Aber wer endscheidet darob?
Warum spielen Medien – Verlage den Killer, den Richter?
Vertrau nur dem Freund, seiner Kritik, seinem Lob.
Mit Geduld könnt, und werdet ihr es sein, ein Dichter.

Solch Dichter ist einer wie ihr, ich oder Du.
Ballada, Ballado und Balladu.

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