Buchtipp 63: U. Poznanski, ‚Schatten‘

Rezension zum 2017 erschienenen Thriller von Ursula Poznanski, ‚Schatten‘

Inhalt:

Der vierte Fall für das Salzburger Ermittlerduo Beatrice Kaspary (B.) und Florin Wenninger. Eine Entführung. Drei Morde. Und ein Täter aus der Vergangenheit?

Ein Mann, grausam zugerichtet in seiner Wohnung. Eine Hebamme, ertränkt in einem Bach – zwei Fälle, die B. als Ermittlerin im Dezernat Leib und Leben der Polizei Salzburg lösen muss. Schnell erkennt sie, dass die beiden Morde zusammenhängen und, dass sie selbst etwas damit zu tun haben muss, denn B. kannte die Toten und konnte beide nicht leiden. Sie weiß, wenn sie nicht handelt, wird es weitere Opfer geben.

 Kritik: Meckern leicht gemacht!

Seite 24: Die ermittelnde Polizistin und studierte (?) Psychologin (B.) wird bei einem Einsatz von einem brutalen Straftäter überrumpelt und dabei sexuell, beängstigend rabiat, bedrängt. Unmittelbar danach rät die Therapeutin dieser Frau: ‚Stärkung des Selbst, Imaginieren*) besserer Handlungsweisen.‘ Das hätte geholfen, schreibt die Autorin.

S. 90: Den Monolog von Melchior in Frühlingserwachen konnte ich im Stück von Wedekind nicht finden. Außerdem will Büchner mit seinem Werk eine Bresche für Homosexuelle schlagen, was zu seiner Zeit revolutionär war. Das passt aus meiner Sicht nicht so richtig in diesen Thriller.

Als Mangel empfinde ich auch, dass die Spannung künstlich hochgehalten wird, dummerweise durch die Einzelgänge der weiblichen Ermittlerin.

B. lässt häufig ihren Autoschlüssel fallen, muss grundsätzlich ihr Auto suchen, ist überhaupt für eine Polizistin/Psychologin ziemlich chaotisch.

Die Nachforschungen werden durch zu viele Beschreibungen der Emotionalitäten gebremst, außerdem hätte viel systematischer ermittelt werden können. So z. B.: Welches Team hat rechtzeitig nach einem möglichen Versteck der entführten Polizistin gesucht? Überhaupt sah ich auch keine Systematik bei den Ermittlungen rund um die Entführte herum. Erst ab S. 317 will man das genauer machen!

S. 307: Das dumme Wegdrücken von Anrufen ärgert mich sowieso, aber auch noch in so einer Situation? Das Gespräch eines Kollegen aus dem Ermittlerteam wird vom Chef der Untersuchungen weggedrückt. Das ist doch Blödsinn!

Ein weiterer Widerspruch ist: Die Oma kann die Kinder der Entführten nicht nehmen (obwohl sie das sonst immer darf und auch macht), weil sie wegen des Verschwindens ihrer Tochter zu beunruhigt ist? Der Bruder kann auch nicht, weil er zu viel zu tun und selbst 3 Kinder hat. Aber der leitende Ermittler und Freund der Vermissten, der kann das? Und außerdem erstaunlich: Die Kinder spielen da einfach so mit?

Das 2. Lebenszeichen der entführten Mutter zeigt der Freund-Ermittlungsleiter-Ersatzvater den Kindern nicht. Was soll das? –

Allmählich geht mir aber ein Licht auf. Krimis funktionieren tatsächlich nur dadurch, dass die Verbrecher fehlerlos arbeiten und super intelligent sind, während die Polizisten ständig Fehler machen, sich dumm anstellen, was hier wieder einmal durch das Versagen der Beschatter der Verdächtigen unterstrichen wird.

Trotz meiner vielen kritischen Anmerkungen habe ich das Buch mit Spannung gelesen.

*) sich vorstellen, einbilden

Bewertung:

  1. Inhalt, Story (Faktor 1): Brutale Morde, die vermutlich gemeinsame psychologische Wurzeln haben, müssen aufgeklärt werden.

Bewertung: 2

  1. Der Sachverhalt (Faktor 1): Ein Psychothriller, in dem 2 engbefreundete Polizisten ermitteln, aber dessen ungeachtet dennoch mit ein paar Heimlichkeiten voreinander handeln.

Bewertung: 2

  1. Der Stil (Faktor 1) ist wie immer gut, und – Überraschung – trotz meiner vielen Kritikpunkte habe ich den Roman mit Spannung gelesen.

Bewertung: 4

  1. Recherchen (Faktor 0,5): Sind für mich schwer nachvollziehbar, aber ich hoffe, dass die reale Polizei besser organisiert ist, systematischer arbeitet und die Ermittler besser ausgebildet sind.

Bewertung: 3

  1. Die Handlungsorte (Faktor 0,5) sind glaubhaft beschrieben.

Bewertung: 3

  1. Kritische Aspekte zur existierenden Realität, zur Politik, zum Leben der Menschen und Hinweise zum Bessermachen (Faktor 1): Da gibt es in diesem Buch, wie für mich bei vielen anderen Romanen dieses Genres ebenso, nicht viel zu holen.

Bewertung: 1

Summe der Bewertung: 3