Buchtipp 61: Chirovici, E. O.; ‚Das Buch Der Spiegel‘

Buchtipp zum 2017 erschienen Roman, ‚Das Buch Der Spiegel‘ von ‚Chirovici, E. O.

Inhalt:

Als der Literaturagent Peter Katz ein Manuskript des Autors Richard Flynn erhält, ist er sofort fasziniert. Flynn schreibt über die Ermordung des Professors Joseph Wieder in Princeton. Der Fall wurde nie aufgeklärt, und Katz vermutet, dass der unheilbar kranke Flynn den Mord gestehen oder den Täter enthüllen wird. Doch Flynns Text endet abrupt. Als Katz den Autor kontaktieren will, ist dieser bereits verstorben. Besessen davon, das Ende der Geschichte zu erfahren, versucht Katz, Laura Baines ausfindig zu machen, die als Studentin auf undurchsichtige Weise mit Wieder verbunden war. Doch je tiefer Katz in den Fall eindringt, desto mehr scheint er sich von der Lösung zu entfernen ….

Kritik: Erinnerung ist Wahrheit und/oder Dichtung?

Der Anfang des Romans war langweilig und ich empfand ihn, wie eine Reklame für Raucher. Ersteres wiederholte sich leider des Öfteren.

Eine interessante psychologische These weckte mich aus der ermüdenden Beschreibung alltäglicher Vorgänge: ‚Die Erinnerung an bestimmte Vorgänge in der Kindheit sind möglicher Weise keine eigenen Gedanken, sondern wiederspiegeln nur das, was z. B. die Eltern oder Geschwister im Kreise der Familie immer wieder erzählt haben.‘ Zur Fortsetzung dieses Gedankens zitiert der Autor auf Seite 83 Julian Barnes: ‚Wenn wir jung sind, erfinden wir verschiedene Zukünfte für uns selbst, wenn wir alt sind, erfinden wir verschiedene Vergangenheiten für andere.‘ Außerdem zitiert er Seite 225 einen großen französischen Schriftsteller, ohne dessen Namen zu nennen: ‚Erinnerung an Vergangenes ist nicht unbedingt Erinnerung an wirklich Geschehenes.‘

Wenn ein Autor das Wort Genie benutzt, werde ich sofort skeptisch, denn auf lebende oder gerade erst verstorbene Professoren trifft das wohl nie zu. Logisch bleibt der Autor den Beweis hierfür auch schuldig.

Der Streit um die Nennung des Namens der Mitarbeiterin des Professors auf der Titelseite von dessen Buch lässt diese angeblich geniale Figur des Romans kleinlich wirken und der Autor verrät fehlende Sachkenntnis. Beruft sich der Verfasser einer Schrift oder eines Buches auf Werke von anderen, dann muss er das als Literaturquelle exakt festhalten, verwendet er sogar ganze Kapitel, dann sollte dieser Name wohl als Mitautor genannt werden. Macht er das nicht, dann ist das sogenannte Genie ein Betrüger, oder, wie das in diesen Fällen heute eher genannt wird, ein Plagiator, definitiv.

Statt 230 Seiten hätten auch 115 gereicht, denn die Story wird quasi zweimal erzählt, und im letzten Abschnitt der Aufklärung des Verbrechens teilweise zum dritten Mal wiederholt. Vielleicht war das aber auch nur ein geschickter Trick, um aus dem, letztendlich doch relativ überschaubarem kriminellen Geschehen, einen Roman zu machen.

Bewertung:

  1. Inhalt, Story (Faktor 1): Eine vorgeblich spektakuläre Kriminalgeschichte soll die Spannung aufrechterhalten.

Bewertung: 2

  1. Der Sachverhalt (Faktor 1): Die Ermittlungen zu einem Mord werden auf ungewöhnliche Art angestoßen, aber eigentlich auf normale Weise aufgeklärt.

Bewertung: 2

  1. Der Stil (Faktor 1) ist gut, aber streckenweise auch langweilig, so dass es sogar passieren kann, dass man über dem Buch einschläft.

Bewertung: 3

  1. Recherchen (Faktor 0,5) Die Story spielt in den USA und ist daher nicht so leicht nachzuprüfen, ruft aber keinen Widerspruch beim Leser hervor.

Bewertung: 3

  1. Die Handlungsorte (Faktor 0,5) sind glaubhaft beschrieben (s. Punkt4)

Bewertung: 3

  1. Kritische Aspekte zur existierenden Realität, zur Politik, zum Leben der Menschen und Hinweise zum Bessermachen (Faktor 1): Aussagen dazu hat der Autor bewusst oder unbewusst vermieden. Der Inhalt hat nach meiner Meinung wenig Wert.

Bewertung: 1

Summe der Bewertung: 2