Leseempfehlung 7, z. B.: E. Herrmann, T. Hoeps, H. Martenstein …

 Im Juni-Juli 2015 gelesen: 

Elisabeth Herrmann, Thomas Hoeps, Harald Martenstein, Gertrud Leutenegger, Dan Brown, Kazuaki Takano, Inge Löhnig sowie die Kriminalerzählungen ‚Lies oder stirb!‘ mit dem Titelzusatz: Mörderisches aus dem Bücherdschungel.

Herrmann, Elisabeth: Der Schneegänger( 2015)

Inhalt: Vier Jahre nach der Entführung eines kleinen Jungen wird sein Skelett im Wald gefunden. Polizeimeisterin Sanela Beara überbringt dem Vater die traurige Nachricht, doch bei der Begegnung mit dem gut aussehenden Mann beschleichen sie Zweifel: War es wirklich eine Entführung?

Bemerkungen: z. T. langweilig, weil langatmig geschrieben. Es dauert, bis es zur Sache geht. Der HKH und Chef der Mordkommission ist ein Trottel – definitiv. Die studierende Polizistin handelt auf eigene Faust, auch verdeckt, nur teilweise genehmigt, aber findet mehr heraus, als alle anderen zusammen. Obwohl ich den Roman sehr kritisch sehe, werde ich wohl trotzdem – wahrscheinlich – E. Herrmanns nächstes Buch auch wieder lesen.

Hoeps, Thomas, Jacobus Toes: Die letzte Kur (2013)

Inhalt: Eigentlich sollte sich Kriminalhauptkommissar Viktor A. Monk an seinem freien Wochenende auf sein erstes großes Konzert beim European Elvis Festival vorbereiten. Aber dann wird im Solebad des neuen Wellnesshotels von Bad Nauheim die Leiche eines Kurbad-Testers gefunden. Ein Brief im Gepäck des Toten führt Monk in ein Schlosshotel. Acht Reporter des traditionsreichen Magazins ‚Der Kurbad-Kompass‘ haben sich dort versammelt, um in einem Kurzkrimiwettbewerb ihren neuen Chefredakteur zu bestimmen. Hat einer von ihnen einen gefährlichen Konkurrenten aus dem Weg geräumt?

Bemerkungen: lesbar, aber ziemlich langweilig, gerade die im Wettbewerb erzählten Geschichten gefallen mir nicht. Hoeps hat bessere Sachen geschrieben.

Martenstein, Harald: Die neuen Leiden des alten M. (2012)

Inhalt: 66 neue Texte über das Leiden am Status Quo: Martensteins feinsinnige, hinterhältige Kolumnen aus ‚Zeit‘ und ‚Tagesspiegel‘ sind pure Therapie gegen zeitgeistige Modekrankheiten und hyperventilierende Debatten.

Bemerkungen: Gut lesbar, kritisch, sehr unterhaltsame Geschichten, die meiner Philosophie entsprechen. Ich habe mich sehr gut amüsiert.

Leutenegger, Gertrud: Panischer Frühling (2014)

Inhalt: Erinnernd taucht die Erzählerin in ihre Kindheit ein, den Blick zurück, die Geheimnisse ihres Lebens, mit einem jungen Mann teilend, dem sie an der Themse begegnet.

Bemerkungen: Das ist lyrische Prosa, kein Roman. Es passiert rein gar nichts: keine direkte Rede, fast nur Beschreibungen der Natur und Umgebung, fast keine Handlung. Es zog mir dauernd die Augen zu. Leider geht mir das mit vielen Büchern so, die, wie dieses 2014, auf der Shortlist Deutscher Buchpreis standen. Diesbezüglich bin ich vielleicht zu dumm oder einfach zu naiv oder auch zu ungebildet. Vielleicht kann ich mich aber auch mit der Erklärung trösten, dass ich möglicher Weise zu den Menschen gehöre, die ‚des Kaisers neue Kleider‘ nicht sehen können und sich nicht scheuen, das auch einzugestehen.

Brown, Dan: Inferno (2013)

Inhalt: Robert Langdon, der Symbolforscher aus Harvard, wird in Italien mit Geheimnissen, Rätseln und einer Verschwörung konfrontiert, die ihre Wurzeln in einem der berühmtesten und dunkelsten Meisterwerke der Literatur haben: Dantes ‚Göttlicher Komödie‘. Je intensiver Robert Langdon die immer gefährlicher werdende Spur verfolgt, umso deutlicher zeichnet sich ab, welche furchterregende Bedrohung Dantes Werk für die Gegenwart und Zukunft bereithält.

Bemerkungen: Bisher habe ich alle Bücher von Dan Brown gelesen, aber bei diesem gab ich bereits nach 30 Seiten auf. Das ist mir dann doch alles zu super! Supergenies, totale Überwachung, Supersoldaten oder Superbullen, natürlich Superhelden. Darunter geht nichts mehr. Und trotzdem kommt ausgerechnet ein Universitätsprofessor, ein Symbolforscher immer wieder mit dem Leben davon. – Ich musste in dieser Situation an meine Lesewut mit 14 Jahren – in den  50-er, bzw. 60-er Jahren – denken. In der DDR waren die so genannten (wohl zu Recht) Schundromane, Krimis und Western verboten. Unter der Hand konnte man sie trotzdem bekommen und auch ich habe den Unsinn verschlungen. Bis ich eines Tages, beim täglichen (von Oktober bis Mai) Kohlen holen für den Kachelofen im Wohnzimmer aus dem Schuppen, den Kellerschlüssel, wie einen Colt aus der Hosentasche riss und in die Schlossöffnung zielte. Mir wurde schlagartig bewusst, wie stark mich dieser Westernquatsch zu beeinflussen begann und hörte sofort auf, diese Art Literatur zu lesen. Jetzt bin ich fast 60 Jahre älter und schlauer? – Keineswegs, aber doch noch – Gott sei Dank – in der Lage, nicht auf jeden Betrug in dieser Welt hereinzufallen.

Takano, Kazuaki: Extinction (2015)

Inhalt: Ist die nächste Stufe der Evolution das Ende von uns allen? Jonathan Yeager wird im Auftrag der amerikanischen Regierung in den Kongo geschickt. Bei einem Pygmäenstamm sei ein tödliches Virus ausgebrochen. Die Verbreitung muss mit allen Mitteln verhindert werden. Doch im Dschungel erkennt Yeager, dass es um etwas ganz anderes geht: Ein kleiner Junge, der über unglaubliche Fähigkeiten und übermenschliche Intelligenz verfügt, ist das eigentliche Ziel der Operation. Kann es sein, dass dieses Geschöpf die Zukunft der Menschheit bedroht? Yeager weigert sich, das Kind zu töten. Er setzt alles daran, den Jungen in Sicherheit zu bringen. Eine gnadenlose Jagd auf die beiden beginnt.

Bemerkungen: Eigentlich müsste ich nur auf den vorhergehenden Text zu Dan Brown verweisen, denn die Grundprinzipien sind total gleich: Super, super, super …

Richtig schlecht ist aber, dass das Töten, die Kriege, dass Raub, Mord und Totschlag als selbstverständlich, ja fast als Tugenden dargestellt werden. Die bis an die Zähne aufgerüstete USA wird als selbstverständlicher Verteidiger der Freiheit dargestellt, der die Bösen in der Welt bekämpft. Kein Wunder, dass die eigentlichen Herrscher der Welt, die Vielfachmillionäre, sicher sein können, dass in nächster Zeit kaum ernsthaft an ihre Macht gerüttelt werden kann. Die Flut der Medien deckt jedes aufkeimende Hoffnungsflämmchen auf eine Veränderung der Welt zu Gunsten der Armen und Schwachen sofort zu. Und ich falle da scheinbar teilweise genauso darauf herein.

Löhnig, Inge: Mörderkind (2014)

Inhalt: Mit 7 muss Fiona miterleben, wie ihr Vater Ben wegen des Mordes an seiner schwangeren Geliebten verurteilt wird. Jetzt, 26-jährig, will sie nach seiner Haftentlassung nichts mehr mit ihm zu tun haben. Doch dann stirbt Ben bei einem Brand und Fiona kommt einer unglaublichen Intrige auf die Spur.

Bemerkungen: Sehr auffallend für den Trend geschrieben: Klischeepersonen und -situationen. Fremdgehen muss, trotz 6. und 10. Gebot, ein ungeschriebenes Gebot Gottes sein, denn alle schreiben total undifferenziert darüber, als wäre es bei allen Menschen genau dasselbe und jeder muss das einfach machen! Auf diese Art Literatur kann ich verzichten.

Kriminalerzählungen: Lies oder Stirb (2014) mit dem Titelzusatz: Mörderisches aus dem Bücherdschungel.

Ralph Gerstenberg: ‚Peter Plus Pascal‘: Lesbare Story über einen diebischen Urlaubsvertreter in einem Buchladen.

Ella Theiss: ‚Rauntzkys Erben‘: Eine alte Frau sperrt den Kritiker, der das Buch ihres Mannes verrissen hat, worauf der sich das Leben nahm, im Keller ein. Als nächstes kommt RTL mit der Casting-Show in das Kellerloch …

Ilka Stitz: ‚Nimm mich!‘:  Sehr langweilig.

Leo P. Ard: ‚Die Todsünden der Buchhändlerin Roswitha E.‘: Gute Erklärung des Mörders für seine Tat.

Niklaus Schmid: ‚Das Manuskript‘: Die Hauptperson wird für ein von ihm geklautes und dann veröffentlichtes Manuskript, eines Tatsachenromans, von der Mafia genau nach den beschriebenen Methoden gefoltert.

Lucie Flebbe: ‚Katzenjammer‘: Neid und Überheblichkeit eines bekannten Autors auf einen Anfänger führt bis zum Totschlag;

Gabriella Wollenhaupt & Friedemann Grenz: ‚Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns‘: Eine Verlegerin bringt einem Analphabeten lesen und schreiben bei, weil der eine auch ihr geläufige Klischee-Autorin kennt und liebt. Die ehrgeizige Dichterin ist falsch und will den Mann aus Wut wegen seiner Kritik mit dem Messer erstechen, aber es trifft sie selbst. Eine gute, intelligent Story;

Peter Godazgar: ‚Ein Dichter rastet aus‘: Ein sich selbstverlegender Lyriker rastet bei einer Lesung, ob des unfairen Publikums, aus.

Jan Zweyer: ‚Ohne Rückgaberecht‘: Bankräuber nutzen einen an die Bank grenzenden Buchladen, um in diese einzudringen; geht so;

Jacques Berndorf: ‚Das Buch‘: Hitlers mein Kampf mit zustimmenden Randnotizen des Vater und der Großmutter. Eigentlich ein gutes Anliegen, aber viel zu viel Geschwafel um die Sache Drumherum;

Christoph Güsken: ‚Frisch eingeschweißt‘: 3 Tote, ein dämlicher KHK, der Serienmörder triumphiert! Nicht mein Fall;

Petra Würth: ‚Der Mann im Schatten‘: Ein Detektiv, der einem Buch entsteigt, das ein kluger Buchhändler einer jungen Frau empfohlen hatte. gut;

Theo Pointner: ‚Ausgelesen‘: Ein preisgekrönter Autor, muss in den Knast, weil er Kinder nicht ausstehen kann und sich deshalb zu Tätlichkeiten gegenüber den Eltern hinreißen lässt.

Wilfried Eggers: ‚Der Fassadenkletterer‘: In einer ‚Fast‘-WG leben 5 Menschen Tür an Tür. Einer davon ist ein großer, sportlicher, rothaariger Mann, der wegen Bankraub im Gefängnis gesessen und erst dort lesen gelernt hat. Sehr gute Story ;

Christiane Bogenstahl &  Reinhard Junge: ‚Tödliche Texte‘: Ein Sadismus und Grausamkeit liebender, sogenannter Bestseller Autor wird von 3 zurecht erzürnten Frauen in einer Buchhandlung gedemütigt. Die geäußerte Kritik ist gut, arbeitet aber mit den gleichen Methoden – shit!