Buchtipp 18: C. Brookmyre, ‚Die hohe Kunst des Bankraubs‘

‚Die hohe Kunst des Bankraubs‘  von Christopher Brookmyre

 Inhalt:

Straßenartisten entpuppen sich als gewiefte Ganoven, die in Wahrheit echte Künstler sind. Bei so einem Banküberfall möchte man auch mal dabei sein: Fünf Straßenakrobaten mit Clownsmasken marschieren, Kapriolen schlagend von der Fußgängerzone bis in die Schalterhalle einer Glasgower Bank. Einer wirbelt im Salto über die Schutzabsperrung, alle haben plötzlich Waffen in der Hand, und ihr Anführer verkündet freundlich: „Herzlich willkommen, meine Damen und Herren, Sie nehmen teil an einem Banküberfall.“ Doch die Räuber sind nicht nur Akrobaten, sie haben ihrem »Publikum« auch sonst einiges zu bieten: Die Geiseln werden mit einer Theatervorführung von ‚Warten auf Godot‘ bespaßt, während der Safe-Computer geknackt wird; und am Ende gibt es noch ein lustiges Kunstgemälde-Raten für alle.

 Kritik: Devise: Nicht aufgeben.

Bewusst oder unbewusst schreibt der Autor im Jargon der Generation, die in den 60-er Jahren geboren wurde, was anfangs manchmal ein wenig plump und ordinär wirkt. Dazu gehört auch, dass eine der Quasi-Hauptpersonen – das weiß man nur am Anfang noch nicht – ständig jemanden für einen Blowjob sucht, also eine Person, die – egal ob Mann oder Weib – ihm, also dieser Figur des Romans, einen bläst. Ich musste erst nachschlagen, weil ich den Ausdruck noch nicht kannte, die Sache selbst natürlich schon! Trotzdem fand ich diese Überbetonung anfangs komisch. Zum Schluss habe ich den Grund dafür ein wenig besser verstanden.

Außerdem huldigt Brookmyre den Lieblingsschwächen der Amerikaner, so auch dem Vater-Sohn-Komplex: „Er vermisste seinen Vater, liebte ihn wieder und hasste sich, weil er ihn früher gehasst hatte.“ Der Ödipuskonflikt verdient ernste sexuelle Aufklärung in der Familie und sollte nicht ständig zur künstlichen Spannungserzeugung missbraucht werden.

Fast hätte ich das Buch frustriert zur Seite gelegt.

Zum Glück tat ich das nicht. Nachdem ich begriffen hatte, dass kein amerikanisches Klischee mehr auf mich wartete und ich die Art des Schreibens und die Vokabeln des Autors immer besser verstand, gefiel mir das Buch von Seite zu Seite besser: kritisch, sympathisch, sarkastisch, intelligent und spannend.

Das Buch ‚Wer schlafende Hunde weckt/ Wo die Leichen liegen‘ ist hingegen streckenweise sehr langweilig und auch irgendwie – finde ich – verdreht geschrieben. Es ist nur an wenigen Stellen spannend.

Noch schlechter ist sein letztes Buch: ‚Angriff der unsinkbaren Gummienten‘, das hat mir gar nicht gefallen

 Bewertung:

  1. Inhalt, Story (Faktor 1): Interessante Idee, die in der Regel gut gestaltet worden ist.

Bewertung: 3

  1. Der Sachverhalt (Faktor 1): inwieweit die Gegebenheiten der Realität entsprechen, könnte man genauer überprüfen, aber es gibt keine Widersprüche, die beim Lesen stören würden.

Bewertung: 3

  1. Der Stil (Faktor 1) ist flüssig, anfangs nervt der Jargon, manchmal langweilig, aber auch die Philosophie stimmt.

Bewertung: 3

  1. Recherchen (Faktor 0,5) rufen keinen Widerspruch beim Leser hervor.

Bewertung: 3

  1. Die Handlungsorte (Faktor 0,5) sind glaubhaft beschrieben.

Bewertung: 3

  1. Kritische Aspekte zur existierenden Realität, zur Politik, zum Leben der Menschen und Hinweise zum Bessermachen (Faktor 1): Es sind ein paar gute Ansätze vorhanden.

Bewertung: 3

Summe der Bewertung: 3