Buchtipp 12: R. Puértolas, ‚Die unglaubliche Reise …‘

‚Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Ikea-Schrank feststeckte‘ von Romain Puértolas

Inhalt:

Ayarajmushee Dikku Pradash, charmanter Hochstapler in Turban und Seide sowie Träger eines Schnurrbarts beträchtlicher Größe, fliegt eines Tages aus Indien nach Paris. Er ist von Beruf Fakir und möchte sich bei Ikea ein brandneues Nagelbett zulegen: Modell Likstupiksta, schwedische Kiefer, 15 000 Nägel, Farbe: Puma-rot.

Kaum am Flughafen angekommen, handelt er sich Ärger mit einem Taxifahrer ein, verliebt sich im Ikea-Bistro in die schöne Französin Marie, nistet sich über Nacht im Möbellager ein und versteckt sich in einem Ikea-Schrank. Prompt gerät er in diesem Schrank auf eine Reise, auf der er illegale Einwanderer aus Afrika und eine mondäne Schauspielerin trifft, die seinen Blick auf die Welt verändern. Über England, Barcelona, Rom und Tripolis gelangt er schließlich zurück nach Paris…

 Kritik: Der Millionen-Furz

Der S. Fischer Verlag verdient Millionen mit einem literarischen Furz, der in Nullkommanichts gelesen, vergessen und dessen Geruch sogar schon verflogen ist, bevor man das Buch zugeschlagen hat. Das letztere ist zugleich auch das Beste an dem Roman.

Die klischeehafte Anlehnung an den ‚Hundertjährigen, der aus dem Fenster stieg …‘ und an ‚Schiffbruch mit Tiger‘ ist offensichtlich, aber allein schon deren Erwähnung im Zusammenhang mit diesem hier, ist eine Beleidigung für Jonas Jonasson und Yann Martel.

Zum Beweis hier eine etwas ausführlichere Inhaltsangabe aus meiner Sicht:

Ein abgezockter, aber armer indischer Fakir borgt Geld von seinen armen Verwandten und Freunden, um nach Frankreich zu fliegen, weil bei Ikea in Paris ein Nagelbett für 99,99 Euro im Sonderangebot zu haben ist. Nachdem er einen Roma-Taxifahrer betrogen und die schöne Marie im Kaufhaus-Café kennengelernt hat, wird er im Möbelhaus in einem Stahlschrank eingeschlossen, der noch in der Nacht nach England abtransportiert wird. Dort wird er zusammen mit anderen Ausländern  als Illegaler sofort ausgewiesen und per Flugzeug nach Barcelona gebracht. Auf dem spanischen Flugplatz trifft er wieder auf den zufällig dort in Urlaub weilenden Roma-Taxifahrer, wird von diesem verfolgt und versteckt sich in der überdimensionalen Reisetasche einer sehr bekannten Schauspielerin und landet, wieder mit dem Flieger, in Italien. Während des Fluges schreibt er im Dunkeln auf seinem weißen Hemd einen Roman. Der Filmstar (Angela Jolie) findet den Inder so sympathisch, dass sie dafür sorgt, dass dessen Geschreibsel auf dem Hemd von ihrem Manager nicht nur verlegt, sondern auch mit einem Vorschuß von 100 000 Euro für den Autor bedacht wird. Weil die Verwandtschaft des Pariser Roma-Taxifahrers den Fakir in Rom verfolgt, muss der wieder fliehen und landet in Syrien. Da der Inder trotz weiterer Probleme auf seiner unfreiwilligen Reise sein Geld geistesgegenwärtig rettet, kann er von Tripolis nach Paris zurückkehren, erleben, wie sein Buch ein Bestseller wird und kann Marie, die auf ihn gewartet hat, heiraten.

Ein Bestseller konnte das Werk nur werden, weil die Massenmedien, wie bei vielen anderen Büchern renommierter Verlage auch, bei dessen Popularisierung tatkräftig mitgeholfen haben.

Bei diesem Gedanken angekommen ging mir eine ganz andere Idee durch den Kopf: Ist es unter diesen Umstände nicht auch ganz einfach vorstellbar, dass genau diese geballte Medienmacht uns eines Tages wieder einen Führer präsentiert?

Das macht mir Sorge.

Dagegen ist das Buch absolut harmlos.

Mehr ist dazu nicht zu sagen!

Bewertung:

  1. Inhalt, Story (Faktor 1): Ein von den Medien hochgejubeltes Plagiat.

Bewertung: 1

  1. Der Sachverhalt (Faktor 1): haarsträubend.

Bewertung: 1

  1. Der Stil (Faktor 1) ist flüssig, so dass man das Buch schon lesen kann.

Bewertung: 3

  1. Recherchen (Faktor 0,5) sind untergeordnet.

Bewertung: 3

  1. Die Handlungsorte (Faktor 0,5) sind glaubhaft beschrieben.

Bewertung: 3

  1. Kritische Aspekte zur existierenden Realität, zur Politik, zum Leben der Menschen und Hinweise zum Bessermachen (Faktor 1): Die bürokratische und dadurch unmenschliche Behandlung Illegaler wird kabarettistisch angeprangert, aber mehr auch nicht.

Bewertung: 2

Summe der Bewertung: 2